Text-Bild-Ansicht Band 123

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Punkten der Linse, dasselbe Resultat erzeugen können; denn je nach der chromatischen Correction dieser verschiedenen Punkte können vom Mittelpunkte zur Peripherie mehr oder weniger gelbe Strahlen und mehr oder weniger photogenische Strahlen concentrirt werden, und die neutralisirende Wirkung der gelben Strahlen kann folglich im Centrum einer Linse größer seyn als im Centrum einer andern. Dann kann die Trennung der zwei Brennpunkte, in zwei Objectivgläsern, durch den Einfluß desselben Lichts sich in einer anomalen Richtung ändern.

Die allgemeine Lichtfarbe in verschiedenen Klimaten kann auch den Achromatismus der photogenischen Strahlen modificiren; aus diesem Grunde können die zwei Brennpunkte in Wien oder Paris mehr oder minder getrennt seyn als in London, und man kann bei Anwendung derselben Linsen in Europa oder in Amerika einen großen Unterschied finden. Wir könnten uns daher sehr irren, wenn wir uns an die Compensation halten wollten, welche vom Verfertiger des Apparats an der Röhre der Objectivgläser angezeigt wurde; es ist folglich unumgänglich nöthig, die genaue Lage des photogenischen Focus häufig mittelst des Focimeters zu bestimmen.

Es ist wichtig zu berücksichtigen, daß der mathematische Focus nur für eine Ebene existirt; dessenungeachtet können die Objecte, welche sich außerhalb und innerhalb dieser Ebene in einer mäßigen Gränze befinden, mit hinreichender Richtigkeit dargestellt werden. Es ist daher möglich, ein ziemlich genügendes Bild in einiger Entfernung von dem mathematischen Focus zu erhalten, aber diese Entfernung darf nicht zu groß seyn. Beim Porträtiren müssen die Objectivgläser gleichzeitig Theile darstellen, welche in verschiedenen Ebenen liegen, in einem Abstand von wenigstens zwei Fuß. Es ist unmöglich einen genauen Focus für alle diese Theile zu haben; aber keiner darf zu weit von diesem Punkt entfernt seyn. Wenn der Mund oder die Augen im mathematischen Focus sind, so werden die Theile vor und hinter dieser Ebene nicht dieselbe Deutlichkeit erhalten, aber der Effect wird ziemlich gut für alle Theile seyn. Wenn wir aber, ohne den Brennpunkt des Objectivglases zu ändern, den Sitzenden in solcher Weise vor- oder rückwärts bewegen, daß der Mund und die Augen in der Ebene sind wo die Hände zuerst waren, oder in der Ebene wo die Ohren und Arme früher waren, so werden wir das Gesicht immer noch ziemlich deutlich und scharf erhalten; aber im ersten Falle werden die Hände und im zweiten die Ohren und Arme ihre correcte Form verloren haben. Je näher der Apparat dem Objecte ist, desto sichtbarer sind diese Fehler. Wenn wir mit Objectivgläsern von sehr großer Brennweite operiren, so sind die