Text-Bild-Ansicht Band 123

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Ehe ich schließe, will ich die Aufmerksamkeit der Physiker auf den Einfluß lenken, welchen die Polarisation des Lichts auf den Achromatismus photographischer Objectivgläser ausüben kann.

Wenn wir bedenken, daß Licht, welches je nach dem Zustande der Atmosphäre immer mehr oder minder polarisirt ist, zuerst unter verschiedenen Winkeln auf der ersten Oberfläche der Linse reflectirt und von da durch vier Gläser von verschiedener Dicke, welche in allen ihren Theilen mehr oder weniger gekühlt sind, gebrochen wird; daß diese Brechung an den einzelnen Punkten der Oberfläche unter verschiedenen Winkeln stattfindet, so darf man wohl annehmen, daß, nach den gewöhnlichen Polarisationsgesetzen, gewisse Strahlen manchmal an Punkten, welche vom Centrum entfernt sind, erlöschen, was die Farbe des von diesen verschiedenen Punkten gegebenen Lichts modificiren und folglich einen gewissen Einfluß auf ihren Achromatismus äußern muß. Dann können die zwei Brennpunkte mehr oder minder getrennt seyn, aus denselben Gründen welche ich vorher angegeben habe.

Da ich über diese Thatsachen nicht genügend experimentiren konnte, so theile ich jetzt nur eine Vermuthung mit, welche nach meiner Meinung von den Photographen ernstlich geprüft zu werden verdient. Zu der Annahme, daß die Polarisation des Lichts einen gewissen Einfluß auf den Achromatismus der Objectivgläser ausübt, veranlaßte mich nämlich die Thatsache, daß wenn man ein Prisma oder einen Spiegel anwendet um das Bild wieder umzukehren, es häufig vorkommt, daß die zwei Brennpunkte mehr oder minder von einander getrennt sind, als wenn man mit demselben Lichte operirt, ohne das Bild des Gegenstandes zu reflectiren.

Ich muß noch eine andere Beobachtung erwähnen. Mehrere Photographen, besonders Dilettanten, welche in der Regel Ansichten oder architektonische Gemälde aufnehmen, glauben daß bei ihren Objectivgläsern keine Trennung der zwei Brennpunkte und folglich auch keine Variation stattfinde. Dieß ist richtig, wenn sie auf ihre Weise zu Werke gehen, nämlich die Oeffnung ihrer Objectivgläser durch das Diaphragma beträchtlich reduciren, weil in diesem Falle alle Strahlen nahezu parallel sind, und die kleine Differenz welche stattfinden kann, unbemerkbar ist; aber man lasse sie ohne Diaphragmen nahe Gegenstände aufnehmen, so werden sie bald finden, daß ihre Objectivgläser keine scharfen Bilder geben können, ohne daß sie den photogenischen Focus berücksichtigen.

Man kann durch einen in der Optik wohl bekannten leichten Versuch klar nachweisen, daß durch das Anbringen von Diaphragmen vor der