Text-Bild-Ansicht Band 118

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welchen starker Schneefall verursacht, mit geringstem Zeitverlust zu beseitigen.

Da bei dieser Einrichtung für den Eisenbahndienst die Nachrichten an jeder Station abgelesen werden können, so wird bei der später definitiv einzuführenden Privatcorrespondenz für das Publicum die Einrichtung getroffen, daß diese Correspondenzen nur von den betreffenden und beeideten Beamten verstanden werden können.

Für sehr lange Nachrichten, z.B. Zeitungsnachrichten, kann nebenbei der chemische Drucktelegraph von Bain benutzt werden, womit in einer Minute zwischen 500 bis 1000 Buchstaben gedruckt werden können, nachdem dieselben vorher in Papier gebunzt worden sind, weil dann eine solche lange Nachricht in sehr kurzer Zeit durch die Linie und durch sämmtliche Zwischenstationen geschickt werden kann, ohne daß sie an den Zwischenstationen verstanden wird, und deßhalb wird es nicht nöthig, mit großen Kosten eine zweite Telegraphenlinie anzulegen, eben weil die Zeit, welche für diese chemisch gedruckten Nachrichten erfordert wird, zu kurz ist, um hindernd auf den anderseitigen Dienst des Telegraphen einzuwirken.

Der amerikanische Drucktelegraph von Morse, in seiner bisherigen Gestalt, ist für den Eisenbahndienst nicht gut geeignet. Das Telegraphiren damit geschieht durch Niederdrücken eines Knopfs, wobei durch taktmäßiges Abzählen längere oder kürzere Striche und Punkte auf einem an der die Nachricht empfangenden Station durch Uhrwerk sich fortbewegenden Papierstreifen eingedrückt oder mit Schwärze abgezeichnet werden, welche Striche und Punkte dann die Chiffern eines besonderen Zeichen-Alphabets bilden. Diese Art zu telegraphiren ist selbst für den Eingeübten sehr anstrengend. Durch eine einfache Aenderung des Mittheilers ist jedoch auch dieser Mißstand zu beseitigen, und das Telegraphiren mit diesem Drucktelegraphen wird dann eben so leicht wie mit dem directen Buchstaben- oder Rotations-Telegraphen. Die große Schnelligkeit, welche der chemische Drucktelegraph zuläßt, kann jedoch damit nicht erzielt werden, abgesehen von dem erwähnten Vortheil, denselben neben anderen Einrichtungen gebrauchen zu können, ohne eine zweite Leitung nöthig zu haben.

Außerdem ist der Mechanismus des amerikanischen Telegraphen nicht einfach genug, um für Eisenbahnen mit Vortheil auf vielen Stationen verwendet werden zu können, so wie es auch unnöthig ist, daß jede kurze Dienstnachricht auf allen Stationen aufgedruckt erscheint.

Wie man aus dem Gesagten ersehen wird, handelte es sich bei diesem Telegraphiren nicht bloß um einen einfachen Telegraphen zwischen zwei Orten für Staats- oder Privatnachrichten, wobei eigens angestellte Beamte nöthig sind, und zu welchem Zweck irgend eine oder die andere der bekannten Telegraphen-Apparate, mit welchen schnell telegraphirt werden kann, zu gebrauchen sind, sondern vielmehr um eine praktische und wohlfeile Telegraphen-Einrichtung mit vielen Stationen sowohl für den Eisenbahndienst wie für alle anderen Zwecke, und wobei es nicht unbedingt nöthig ist, in allen Fällen, an allen Stationen, besondere einstudirte Beamte anzustellen.

Es konnten daher auch hier nur solche Apparate in Anwendung kommen, mit welchen jeder der lesen und schreiben kann, zu telegraphiren im Stande ist, und deren Einrichtung die größte Leichtigkeit der Handhabung und Ueberwachung zuläßt.

Die Einrichtung der Batterien ist ebenfalls der Art, daß dieselben Jahre lang ihre Dienste verrichten ohne weitere Aufsicht und Kosten, als ein gelegentliches Auffüllen mit Wasser, während, wie bekannt, andere Batterien für diesen Zweck mit Säuren und kostspieligen Salzen gespeist, öfters gereinigt und unter beständige Aufsicht gestellt werden müssen.

Bei der bald zu erwartenden Vollendung der Bahn bis Paris können Privaten binnen wenigen Minuten eine Nachricht dorthin geben und zurück erhalten, ja sogar bis London correspondiren, wenn der unterseeische Telegraph zwischen Frankreich und England gelingen sollte. W. Fardely. (Eisenbahn-Zeitung, 1850 Nr. 35.)