Text-Bild-Ansicht Band 118

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Die unkrystallisirbare Mutterlauge besteht bis auf wenige Procente aus Chlorcalcium (salzsaurem Kalk), womit man den Dünger für trockenen Boden etc. begießen kann. Man könnte dieses Chlorcalcium in der Wärme mit schwefelsaurem Kali zersetzen; es würde sich Gyps niederschlagen (welcher in den Papier- und Tapetenfabriken verwendbar ist) und die Auflösung enthielte Chlorkalium, welches sich bei einer folgenden Operation verwenden ließe; in letzterem Salz wäre auch das in der Mutterlauge zurückgebliebene chlorsaure Kali enthalten.“

Anwendung des chlorsauren Kalis beim Zeugdruck.

Eine neue Anwendung des chlorsauren Kalis dürfte in der Folge seinen Verbrauch ziemlich steigern: diese Anwendung besteht darin, einige Procente chlorsaures Kali mit den Druckfarben zu vermischen; wenn man dann die bedruckten Zeuge dem Dampf unter einem Druck von drei bis vier Atmosphären aussetzt, um die Farben zu befestigen, so zersetzt sich das mit den organischen Substanzen vermischte chlorsaure Kali und erzeugt in vielen Fällen eine merkwürdige Belebung der Druckfarben, indem es entweder fremdartige braune Stoffe zerstört, oder den Farbstoff oxydirt. Es ist leicht mit Probestückchen den Erfolg dieses Verfahrens zu ermitteln, um zu erfahren, welche Farben das chlorsaure Kali zu aviviren vermag.

XCIII. Anwendung der Kohlenstickstoffsäure (Welter's Bitter) zum Färben der Seide.

Aus dem Précis de Chimie industrielle, par A. Payen, Paris 1851.

Die Kohlenstickstoffsäure (Pikrinsäure, Pikrinsalpetersäure, Welter's Bitter) entsteht aus dem Indigblau, Seide, Wolle, Steinkohlentheeröl und andern Stoffen durch Behandlung mit starker Salpetersäure. Aus Wasser krystallisirt, stellt sie hellgelbe Blätter dar. Die Krystalle lösen sich schwierig in kaltem Wasser, leichter in heißem, mit gelber Farbe; sie lösen sich in Alkohol und Aether. Diese Auflösungen besitzen einen