Text-Bild-Ansicht Band 115

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sorgfältigem Abschneiden und Dehnen des Messings weit mehr Steifheit und Elasticität erreicht werden könnte. Dieß dürfte unter folgenden zwei Hauptbedingungen der Fall seyn:

1) das gelbe Messing soll in kaltem Zustande geschmiedet und ausgestreckt, und um zu starke Erwärmung zu verhindern, öfter mit kaltem Wasser abgekühlt werden; das Gleiche soll auch mit dem warm gewordenen Schmiedehammer geschehen;

2) das Messing darf nicht zu sehr ausgestreckt und also seine Molecüle nicht allzustark zusammengepreßt werden, weil nur dannzumal das Stück seine größte Elasticität und Steifheit erhält, ohne zu zerreißen.

Was das erste anbelangt, so weiß man, daß das Messing auch nur dunkelroth erhitzt, unter dem Hammer in tausend Stücke zerspringt; folglich kann auch eine weniger starke Erwärmung, die dennoch bei starkem und schnellem Abhämmern bis auf 40° R. kommen dürfte, schon nachtheilig wirken, besonders wenn das Stück federhältig seyn soll.

Der Messingdraht, zu schnell durch die Zieheisen gezogen, wird zu sehr erhitzt und nach wiederholtem Durchziehen seine Federkraft geschwächt.

Was die zweite Bedingung betrifft, so könnte man glauben, wenn sich das betreffende Stück nicht verlängere, so sey es genug gehämmert; allein dann könnte man schon zu weit gegangen seyn. Der klangreichere Ton des Hammerschlags ist jedenfalls ein sicheres Zeichen, daß das Stück fest geworden. Im Anfang bei noch weichem Messing ist der Hammerschlag dumpf und der Hammer geht mühsam in die Höhe; allmählich wird der Ton heller und der Hammer hüpft von selbst in die Höhe, was eine untrügliche Anzeige ist, daß das Stück steif geworden. Zur Beendigung und Applanirung sind dann kleine Hämmer und leichte Hammerschläge bei möglichst niedriger Temperatur zweckmäßig in allen Fällen und bringen das Stück auf den höchsten Grad der Härte und Federkraft.

Was den Messingdraht anbelangt, so habe ich gefunden, daß wenn durch den Zug einmal verlängert, dieß die Norm seyn möchte, um demselben die constante Elasticität beizubringen, vorausgesetzt, daß er sich im Ziehen nicht zu stark erhitze. Das Ausglühen des steif geschmiedeten Messings, um es wieder weich zu machen und auf bestimmte Dimensionen auszudehnen, mag nur in denjenigen Fällen anwendbar seyn, wo es sich nicht um den höchsten Grad der Steifheit und Elasticität handelt, sondern mehr um die verlangte Größe. Denn das Ausglühen ist dem Messing nachtheilig; es ist bei zweimaligem Abschmieden dem