Text-Bild-Ansicht Band 114

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bei Horn in London; eine 200pferdige Maschine nach diesem System und für ein Rhoneboot bestimmt, ist bei Clément-Desormes und Comp. in Oullins bei Lyon in der Ausführung begriffen. Nach Behauptung der Erfinder soll die doppelte Kraftäußerung, oder was dasselbe ist, eine Ersparniß an Brennmaterial von 50 Procent aus der Anwendung dieser Erfindung resultiren. Mit dem Woolf'schen Dampfmaschinensystem in Verbindung gesetzt, soll sie das Kohlenquantum auf 1 1/2 Pfund per Pferdekraft und Stunde vermindern! Nirgends findet sich jedoch eine Angabe über den wirklich stattfindenden Kohlenverbrauch der bereits ausgeführten Maschinen, wenn auch mehrere sehr günstig lautende Urtheile von Jury's und Berichterstattern der Regierung vorliegen. Es ist überhaupt höchst ungewiß, ob die Sache sich in der Praxis bewähren wird. Namentlich steht es wohl außer Zweifel, daß dabei nur eine höchst unvollkommene und wirkungslose Condensation des Wasserdampfs stattfinden kann. Wer die Erfolge von Samuel Hall's Patentcondenser und so vieler anderer trockener Condensatoren kennt, die so außerordentlich große kalte Flächen für die Condensation darbieten und dennoch die Wirkungen der gewöhnlichen Verdichtung durch Einspritzung nicht erreicht haben, wird keinen Augenblick zweifeln, daß die kleinen abkühlenden Flächen auf die man bei der in Rede stehenden Maschine nothwendig beschränkt ist, noch weniger dazu im Stande sind, wenn auch die in den Röhren befindliche Flüssigkeit die Wärme weit schneller als Wasser absorbirt. Rechnet man aber die Kraft, welche sonst aus der Condensation erwächst, als verloren, und betrachtet nun die vermehrten Kosten des Baues, der Unterhaltung, des Verbrauchs an Aether u.s.w., so fragt es sich sehr, ob noch ein Vortheil von Bedeutung zu Gunsten des neuen Systems übrig bleiben wird. Die ganze Angelegenheit befindet sich übrigens in einem Stadium, wo sich der Werth oder Unwerth der Erfindung sehr bald durch die Erfahrung herausstellen muß.

Beweglicher Rost für Dampfkessel.

Unter der Firma J. B. Tailfer und Comp. in Paris hat sich eine Gesellschaft eigens zur Ausbeutung dieser Neuerung gebildet. Der ausgestellte Apparat, für einen 30pferdigen Kessel bestimmt und im Preise von 2500 Francs, ist eine vollständige Nachahmung des in England seit mehreren Jahren bekannten, und häufig angewandten sogenannten Juckes Ofen (beschrieben im polytechnischen Journal. Bd. LXXXV S. 134). Der Rost besteht aus einer endlosen Kette von einzelnen ungefähr 9'' langen Gelenken, die über zwei Rollen gelegt sind. Vorn werden die Kohlen (Geriß) aufgeschüttet, die ein langsames Vorrücken der Rostkette, das von der Maschine aus oder beim Anfangen auch von der Hand bewirkt wird, unter den Kessel ins Feuer bringt. Die Dicke der Kohlenschicht wird durch den Raum zwischen dem Roste und einem verstellbaren Schieber bestimmt, der gleichzeitig den Feuerraum von den aufgeschütteten Kohlen trennt. Das Vorrücken geschieht so langsam, daß der Rost fast ganz kalt zurückkehrt, etwa im Durchschnitt 5/4 bis 1'' per Minute. Die Stärke des Feuers kann durch den Zug, durch den erwähnten Schieber und durch die Schnelligkeit des Vorrückens regulirt werden. Erfahrungsmäßig gewähren solche bewegliche Roste mannichfache Vortheile in Ersparung an Brennmaterial und in Gleichmäßigkeit des Feuers, sowie in der ausschließlichen Anwendung der wohlfeileren Gerißkohle. Die Unternehmer haben in kurzer Zeit bereits über fünfzig solcher Apparate in Frankreich aufgestellt, auch während der Ausstellung mehrere Aufträge von deutschen Fabrikanten aus Wien, Chemnitz u.s.w. erhalten. Laut den Berichten verschiedener Fabrikanten, die früher feste Roste anwandten, hat sich ein Ersparniß von 18 bis 20 Procent an Brennmaterial ergeben; in England macht man eine ganz ähnliche Schätzung. Der ausgestellte Apparat war von vorzüglicher mechanischer Ausführung. Da indeß die zur Verbrennung der Kohlen dienende Fläche nur gegen 9 bis 10 Quadratfuß hatte, so ist zu bezweifeln, ob er für eine 30pferdige Maschine die genügende Größe besitzt, wenn man auch bei diesem System weit unter dem gewöhnlichen Verhältniß von einem Quadratfuß per Pferdekraft bleiben kann.