Text-Bild-Ansicht Band 114

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Letternsetzmaschine von Delcambre und Young.

Unter den Hülfsmaschinen für Druckereien befand sich auf der dießjährigen Ausstellung die Letternsetzmaschine von Young und Delcambre aus Paris (beschrieben im polytechn. Journal. Bd. LXXXV S. 420). Bekanntlich bewirkt sie das Setzen durch die Berührung von Klaviertasten, wodurch jedesmal eine senkrechte Leiste, vor der eine Anzahl der entsprechenden Buchstaben aufgeschichtet liegt, so weit gehoben wird, daß ein Buchstabe durchschlüpfen kann. Derselbe gleitet dann eine schiefe Ebene hinunter und reiht sich den schon auf gleiche Weise dahin gelangten Buchstaben an. Allerdings setzt eine solche Maschine mehr als 35,000 Lettern in 10 Stunden, also das 2 1/2 fache der gewöhnlichen Handarbeit; ja die Erfinder behaupten ihre Production ließe sich aufs Achtfache derselben steigern. Allein Unregelmäßigkeiten des Herabgleitens der einzelnen Buchstaben in den engen Canälen, das Zusammenstoßen derselben auf ihrem Wege und dergleichen Uebelstände hat man bisher nicht zu beseitigen vermocht, so daß diese sonst sinnreiche Idee von keinem praktischen Nutzen gewesen ist. Eine Maschine zum Vertheilen der Lettern steht mit der erwähnten im Zusammenhang; der Preis für beide ist 5000 Francs.

Maschine zur Fabrication kalt gepreßter Lettern.

Von Seiten einer Société pour fabriquer les caractères à la mécanique et à froid aus Paris war eine sehr schön gearbeitete Maschine zu diesem Zweck ausgestellt. Ihre Construction kommt im Wesentlichen mit der der bekannten Drahtstift- oder Nagelmaschinen überein; statt Schlag wird jedoch Druck angewendet um den gravirten gußstählernen Stempel in die Kopffläche des geplätteten Drahts. aus dem die Lettern fabricirt werden, einzutreiben. Der Vortheil dieser Maschinen soll erstens darin bestehen, mehr als bisher zu erzeugen, ferner schärfere und reinere Lettern herzustellen als beim Gießen möglich, und endlich ein festeres, dauerhafteres Metall (z.B. Kupfer) anwenden zu können. Für Paris, wo die Einführung der in Deutschland so verbreiteten Gußmaschinen bisher an dem Widerstande der Arbeiter gescheitert ist, wäre allerdings eine schnellere und minder kostspielige Erzeugung der Lettern als durch die gewöhnliche Handarbeit äußerst wünschenswerth. Im Vergleich zu letzterer würde nun obige Maschine wohl Vortheile bieten, ob aber auch im Vergleich zu unserer deutschen Gußmaschine, mit der ein Mann täglich mit Leichtigkeit gegen 30,000 Lettern herstellt, bleibt eine andere Frage. Erzeugt sie auch etwas mehr (bei Drahtstiften ähnlicher Dimensionen kann man auf 60–70. 000 Stück per Tag rechnen), so ist doch ihre Unterhaltung sehr kostspielig und schwierig; schon das öftere Schneiden der gußstählernen Stempel verursacht große Kosten. Außerdem hat der Mechanismus einer solchen Maschine so viele der Abnutzung ausgesetzte Theile, daß es bezweifelt werden darf ob sie je für Gegenstände, die wie die Typen in ihren Dimensionen eine fast mathematische Genauigkeit und Uebereinstimmung erfordern, praktisch anwendbar wird. Die anwesenden Sachverständigen, worunter die beiden ersten Schriftgießereibesitzer Deutschlands, stellten der Sache kein günstiges Prognostiken. Ihre Vortheile würden um so geringfügiger, wenn die Versuche gelingen, mit denen man sich in Paris stark beschäftigt, nämlich die Letterncomposition durch ein neuentdecktes weit härteres Metallgemisch, dessen Hauptbestandtheil Eisen bildet (matière ferragineuse genannt), zu ersetzen. Proben davon konnte man in Blei oder Zinn eintreiben, ohne daß die Scharfe des Gusses litt; dabei war der Guß ebenso rein und scharf als bei Typen aus Schriftzeug. Hierdurch wäre der Hauptvortheil erreicht, den die kalt gepreßten Lettern darbieten. Uebrigens ist dem Scharfsinn und der Beharrlichkeit schon so vieles gelungen, daß man nicht vorher absprechen, sondern der Erfahrung überlassen soll, ob der neue Weg nicht zu größeren Vortheilen führt, als man sich bis jetzt davon verspricht.

Maschine zum Poliren der Daguerreotypplatten.

Herr Delezenne in Paris (3. Rue de Thorigey) hat eine sehr einfache Maschine zum Poliren der Daguerreotypplatten construirt. Auf einer horizontalen