Text-Bild-Ansicht Band 112

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den Versuch mit Furcht anstellen würde, und mit einer zu großen Geschwindigkeit, so könnte man die Abstoßungskraft der weißglühenden Substanz überwinden, so daß solche die Haut wirklich berührte, welche dann zerstört darin zurückbleiben müßte. Um zu begreifen wie gefährlich es wäre, mit der Hand zu rasch durch das geschmolzene Metall zu fahren, braucht man nur zu wissen, daß der Widerstand dem Quadrat der Geschwindigkeit proportional ist, und in einer dichten Flüssigkeit, wie das geschmolzene Eisen, nimmt dieser Widerstand gewiß in einem größeren Verhältniß zu.

Der Versuch gelingt besonders, wenn man die Haut feucht hat, und da man beim Anblick von Massen geschmolzenen Metalls unwillkürlich erschreckt, so wird die Haut fast immer in den zum Gelingen erforderlichen feuchten Zustand versetzt: wenn man aber einige Vorsichtsmaßregeln ergreift, so wird man wahrhaft unverwundbar. Folgendes Verfahren gelang mir am besten: ich reibe mir die Hände mit Seife, um ihnen eine glatte Oberfläche zu ertheilen, dann tauche ich die Hand gerade bevor der Versuch angestellt werden soll, in eine kalte Auflösung von Salmiak, welche mit schwefliger Säure gesättigt wurde, oder auch nur in Wasser, welches Salmiak enthält; in Ermangelung von solchem genügt auch frisches Wasser.

Regnault, welcher sich mit dieser Frage beschäftigte, sagt: „die Personen, welche ein Geschäft daraus machen in öffentlichen Versuchen ihre scheinbare Unverbrennlichkeit zu zeigen, wenden zuweilen eine Mischung von gleichen Theilen Schwefelgeist (flüssige schweflige Säure), Salmiak, Rosmarinöl und Zwiebelsaft an.“

Da alle diese Substanzen flüchtig sind, so machen sie bei ihrem Verdunsten eine gewisse Summe von Wärme latent.

Wir wollen nun diese Thatsachen zu erklären suchen.

Die Formel mct gibt die in irgend einem Körper enthaltene Wärmemenge; m bezeichnet darin die Masse, in Kilogrammen ausgedrückt, c die specifische Wärme des Körpers und t seine Temperatur in Centesimalgraden.

Hier muß man aber von dem Factor m absehen, weil zwischen der Hand und dem geschmolzenen Metall keine Berührung stattfindet und der Versuch keinen Unterschied darbietet, man mag ihn mit 10 oder 1000 Kilogr. Roheisen anstellen. Die Empfindung ist in beiden Fällen dieselbe, weil die Abstoßungskraft der glühenden Oberflächen sich der Berührung jedes Körpers widersetzt.

Der Finger oder die Hand befinden sich also inmitten der geschmolzenen Masse isolirt und dadurch gegen die zerstörende Wirkung der glühenden