Text-Bild-Ansicht Band 112

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den Materie geschützt. Ich wiederhole es, man muß von der Masse abstrahiren.

Es bleiben also noch die zwei Factoren c und t. Der Werth von c ist annähernd = 0,15 und der von t = 1500°, der Temperatur des geschmolzenen Roheisens; es ist also das Product 1500 × 0,15 = 225.

Hienach befände sich die Epidermis der Hand 225 Wärme-Einheiten gegenüber; dieß ist eine sehr starke Hitze, aber zu hoch bestimmt, wie ich nun zeigen will.

Es findet zwischen der Hand und dem Metall keine Berührung statt; dieß ist für mich ausgemachte Thatsache. Wenn keine Berührung erfolgt, kann die Erhitzung nur durch Ausstrahlung stattfinden, und diese ist allerdings eine bedeutende; wird aber die Ausstrahlung durch Reflexion aufgehoben, was geschieht, so ist der Fall derselbe als wenn sie nicht vorhanden wäre, und im Grunde genommen befindet sich also die Person, welche den Versuch anstellt, so zu sagen unter normalen Umständen.

Ich habe schon vor längerer Zeit bewiesen, daß das Wasser im sphäroidischen Zustand die Eigenschaft besitzt, die strahlende Wärme zurückzuwerfen, und daß es niemals die Temperatur seines Siedepunkts erreicht; da nun der Finger oder die Hand feucht sind, so können sie niemals die Temperatur von + 100° C. erreichen, weil der Versuch nicht so lange dauert, daß die Feuchtigkeit gänzlich verdunsten könnte.

Die Erklärung des Versuchs ist also folgende: die Hand, mit welcher man durch das geschmolzene Metall fährt, isolirt sich; die Feuchtigkeit, mit welcher sie überzogen ist, geht in den sphäroidischen Zustand über, reflectirt die strahlende Wärme und erhitzt sich nicht bis zum Kochpunkt.

Dieser anscheinend gefährliche Versuch ist also in der That ziemlich unbedeutend. Ich habe ihn oft mit geschmolzenem Blei, Bronze etc. wiederholt und immer mit demselben Erfolg.78)

78)

In der neuen Bearbeitung von Gehler's physikalischem Wörterbuch, Leipzig 1841, Bd. II erste Abtheilung, sind S. 498–508 die verlässigsten Nachrichten über die Feuerprobe der Alten und die Darstellungen neuerer Künstler bezüglich der scheinbaren Unverbrennlichkeit des menschlichen Körpers zusammengestellt; ebendaselbst sind die Ergebnisse der von verschiedenen Physikern bis auf die neueste Zeit über das Leidenfrost'sche Phänomen angestellten Untersuchungen S. 486–498 und S. 1047 mitgetheilt.

Eine schon seit langer Zeit gebräuchliche technische Anwendung des im sphäroidischen Zustand verdampfenden Wassers, ist das Verfahren der Glasbläser, in die aufzublasenden Glasmassen Wasser mit dem Munde zu bringen, wodurch sie sich zu einer hohlen Kugel ausdehnen, in welcher einzelne Wasserkügelchen umherrollen.

E. D.