Text-Bild-Ansicht Band 112

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Das Korn (der Roggen) behält seine Keimkraft wenigstens 40 Jahre lang.

Die mehligen Samen, welche viel Stärkmehl enthalten, wie die Getreidearten und Hülsenfrüchte, behalten in der Regel ihre Keimkraft viel länger als andere.

Zu Bicêtre wurde im letzten Winter ein aufgegrabener Weg mit frischer Erde aufgefüllt, die aus einem Kapellenhof in einer Tiefe von 1,60 Meter nach Hinwegräumung der darüber befindlichen Erd- und Steinschichten gegraben worden war. Diese Erde, welche 242 Jahre bedeckt gewesen war und nun an die Luft kam, trug in diesem Jahr allerlei Pflanzen, unter andern: Epilobium pallustre in großer Menge, Matricaria Parthenium, Viola bicolor, Geranium dissectum, Erigeron canadense, Senebiera corniculata, Aethusa Cinapium, Mercurialis annua, Salex alba. Die Samen dieser Pflanzen hatten sich also so lange in dem ursprünglich sumpfigen, überschütteten Erdreich erhalten.

In alten Gräbern – hievon liegen mehrere Fälle vor – wurden mitunter in Höhlungen der Skelette Samen verschiedener Pflanzen vorgefunden, welche, obwohl ihr Alter 15 bis 18 Jahrhunderte betrug, nach dem Einsäen sehr schön aufgingen; die aus solchen Samen erhaltenen Pflanzen waren Himbeersträuche, Rosmarin, Chamille. In einem Grab aus. der gallisch-römischen Zeit gefundene Samen gaben Heliotropium vulgare, Centaurea Cyanus und Medicago lupulina.

In einem nach seinem Aussehen aus der Zeit der Gallier herrührenden Topf, welcher in einer gewissen Tiefe unter der Erde gefunden wurde, befanden sich Samen mit fetter Erde zusammengeknetet; obwohl ganz ausgetrocknet, gaben sie eingesäet, doch noch Pflanzen der Mercurialis annua.

Ja sogar die in einem ägyptischen Sarkophag im brittischen Museum gefundenen Körner von Weizen und Erbsen gingen noch auf; Wickenkörner jedoch nicht. In einer Mumie, welche in Aegypten in Gegenwart eines englischen Consuls geöffnet wurde, fand man drei Weizenkörner, welche man der königl. Agriculturgesellschaft in London übersandte. Sie wurden eingesäet und lieferten wieder frische Saat. Die Aehren dieses Weizens sind ungemein groß; es soll sich diese Sorte in Aegypten nicht mehr vorfinden. Eine dieser Aehren, welche der Secretär der Gesellschaft öffnete, enthielt 130 hellbraune, längliche Körner, welche mit dem russischen Weizen Aehnlichkeit haben. Ricinussamen die in einem ägyptischen Grabe gefunden wurden, gingen nach