Text-Bild-Ansicht Band 153

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gelbliches Gerinnsel in dieser hervorbringt. Diese Masse läßt sich durch Coliren leicht von der alkalischen Flüssigkeit trennen. Sie enthält außer der Kalkseife noch die von der Entschälung der Seide herkommenden eiweißartigen Körper und einen großen Theil des gelben Farbestoffs. Man trennt das Fett von den übrigen Gemengtheilen durch Pressen des Niederschlags, Anrühren desselben mit verdünnter roher Salzsäure und Abgießen der Salzlösung. Die Fettsäuren und die eiweißartigen Körper scheiden sich als klebrige, mehr oder minder zusammenhängende Masse ab, aus der beim Stehenlassen in Schalen auf dem Wasserbad bald eine große Menge Fett ausfließt. Dieses kann leicht klar abgegossen werden. Der Rest, der in dem Kuchen zurückbleibt, läßt sich durch warmes Pressen ziemlich vollständig gewinnen. Das Fett ist gelblich, bei gewöhnlicher Temperatur fest, hat einen Schmelzpunkt von 35–39° C.

Es erhielten Hr. Isler, Polytechniker in Zürich, auf dem angegebenen Wege 1,48 Proc., Hr. Fierz aus einer Brühe 2,3 Proc., aus einer andern 0,69 Proc. Fettsäuren. Es ist sehr natürlich, daß der Fettsäurengehalt der verschiedenen Flüssigkeiten verschieden ausfalle, da nicht zu jeder Operation des Abkochens gleichstarke Seifenlösungen dienen.

LXII. Zur Theorie und Praxis der Weinbereitung; von G. E. Habich.

I.

Wie jedes andere chemische Gewerbe, so bedarf namentlich auch die Bereitung gegohrener Getränke einer wissenschaftlichen Begründung, die den Compaß abgeben muß, wenn das schaukelnde Schifflein der Empirie ungefährdet zwischen mancherlei Klippen hindurchsegeln soll. Sehen wir uns nach solchen leitenden Grundsätzen bei der Weinbereitung um, so stoßen wir hier und da auf Widersprüche, welche erst gelöst werden müssen, ehe denn an ein endgültiges Urtheil zu denken ist. Dazu sind vergleichende Versuche nöthig, die ohne Vorurtheil und mit der nöthigen Umsicht ausgeführt werden müssen, und zwar in größerm Maaßstabe. Zu solchen Versuchen möchte ich nun gar gern anregen durch Besprechung einiger chemischen Vorgänge in der Weinbereitung, welche zu