Text-Bild-Ansicht Band 153

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rectificirtes Terpenthinöl dazu, je nachdem man den Metallglanz der Stücke mehr oder weniger bewahren will. Die Mischung erhält sich ohne Veränderung, wenn sie gut verschlossen ist. Bei der Anwendung dieses Firnisses nimmt man ein kleines Stück feinen ausgewaschenen Schwamm, taucht es, um das Wasser zu entfernen, in Terpenthinöl, gibt hierauf ein wenig Firniß in ein Gefäß, legt den Schwamm hinein, bis er ganz angesogen ist, und drückt ihn zwischen den Fingern, so daß nur eine ganz kleine Menge Firniß darin bleibt. In diesem Zustande fährt man damit leicht über das Stück mit der Vorsicht, daß man nicht wieder zurückfahrt, wenn die Essenz einmal verflogen ist, weil dadurch der Anstrich rauh und ungleich wird. Man läßt ihn dann an einem vor Staub geschützten Orte trocknen.

Die Erfahrung hat bewiesen, daß Eisen- und Stahlwaaren, auf diese Weise behandelt, ihren Metallglanz behalten und nicht den leichtesten Rostfleck annehmen, auch wenn sie mit den Händen gerieben werden und zum täglichen Gebrauch dienen. Dieser Firniß läßt sich auch auf Kupfer anwenden, wenn man dieselbe Vorsicht beobachtet, wie bei dem Eisen und dem Stahl. Man muß nur dafür sorgen, daß die Stücke nicht in dem Augenblicke gebraucht werden, wo das Kupfer eben erst geschliffen wurde. Man reinigt es und läßt es einen Tag an der Luft liegen, wobei es eine dem Gold ähnliche Farbe annimmt, und kann man es dann nach dem angegebenen Verfahren firnissen. Hiedurch ist es vor aller oxydirenden Einwirkung geschützt und behält Politur und Farbe. Physikalische Instrumente können, auf diese Art überzogen, bei Experimenten, bei welchen man sich des Wassers bedient, gebraucht werden, ohne die geringste Veränderung zu erleiden. (Recueil de la Société polyt., aus gem. Wochenschr. Nr. 25 von 1859.)

Ueber eine schwarze Tinte zum Zeichnen der Wäsche; von G. C. Kindt in Bremen.

Ziemlich allgemein wird zum Zeichnen der Wäsche eine Lösung von salpetersaurem Silber benutzt, mit Vorbereitung des Zeuges durch Gummi- und Natronlösung. Wird aber die Wäsche, wie es an vielen Orten gebräuchlich ist, mit Lauge und Chlor behandelt, so verschwindet die Schrift nach und nach; diese Tinte verdient mithin keineswegs die ihr oft beigelegte Benennung der unauslöschlichen.

Mit vollem Recht aber kann eine Flüssigkeit auf diesen Namen Anspruch machen, die man in Indien zu diesem Zweck benutzt. Ein junger Kaufmann von hier, Hr. Capelle, der einige Jahre in Ostindien verlebte und die Producte des Landes möglichst kennen zu lernen suchte, erzählte mit von einer Nuß, welche eine schwarze Flüssigkeit enthalte, die dort zum Zeichnen der Wäsche benutzt werde.

Einige von diesen Nüssen, die er mit gab, erkannte ich gleich für die Samen von Anacardium orientale.

Da der in großen Zellen der Schale enthaltene schwarze Saft nicht mehr flüssig genug war, so zerschnitt ich sie, und übergoß sie, nach Beseitigung des öligen Kerns, mit Schwefeläther und etwas wasserfreiem Alkohol. Hiemit mischte sich der Saft leicht. Ich goß die Flüssigkeit ab und ließ den Aether soweit verdunsten, daß sie zum Schreiben tauglich wurde.

Nachdem die Stoffe, welche von der Schlichte nicht einmal befreit zu werden brauchen, beschrieben sind, muß die Schrift mit Kalkwasser benetzt werden; dadurch nimmt sie eine dunkelschwarze Farbe an. Kali, Natron und Ammoniak scheinen eben so zu wirken.

Bis jetzt habe ich kein Mittel gefunden, die Schrift völlig aus den Zeugen zu vertilgen; selbst Kochen mit Salzsäure und chlorsaurem Kali zerstört sie nicht; obgleich sie dadurch viel blässer wird, färben Alkalien sie doch gleich wieder dunkler.

So viel mit bekannt ist, wird diese Flüssigkeit in Deutschland nicht benutzt, was um so auffallender ist, da in zwei sehr verbreiteten Büchern61) der Verwendung genannter Nüsse zu diesem Zweck Erwähnung geschieht.

61)

Geiger's pharmaceutische Botanik, 2te Auflage, S. 1190; Oken's Naturgeschichte, Bd. III S. 1782.