Text-Bild-Ansicht Band 153

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und daher ein träger und nutzloser Bestandtheil sind. Das durch Calciniren von Eisenvitriol erhaltene Oxyd ist reiner, kommt aber viel theurer zu stehen, und obgleich es häufig wiederbelebt werden kann, so ist seine Anwendung in den Gasanstalten doch mit einer bedeutenden jährlichen Ausgabe verbunden. Um ein kräftig wirkendes, dabei aber leicht und wohlfeil herzustellendes Reinigungsmittel zu erhalten, breite ich Eisenbohr- oder Drehspäne oder Eisenfeile auf dem Boden aus, und setze den Haufen beiläufig 24 Stunden lang der Luft aus, entweder mit oder ohne Zusatz von Wasser, je nach dem Zustand der Atmosphäre, wornach sich die Oberfläche des Metalls hinreichend mit Rost oder Oxyd überzogen hat. Man füllt dasselbe dann in eine Reihe von Trockenreinigern, welche durch Röhren mit einander verbunden sind, durch die das Gas nacheinander zieht, indem es zuerst durch denjenigen tritt, welcher das am meisten mit Schwefel imprägnirte Reinigungsmaterial enthält, und zuletzt durch denjenigen, dessen Oxyd am wenigsten mit Schwefel imprägnirt ist. Nachdem die oxydirten Eisendrehspäne im ersten Reiniger mit Schwefelwasserstoff gesättigt sind (was der den Apparat bedienende Arbeiter leicht erkennt, weil er das Gas beständig mittelst eines mit Bleizucker getränkten Papiers Probiren muß), setzt man diesen Reiniger außer Wirkung und der zweite Reiniger wird nun der erste, wogegen ein frisch beschickter Reiniger in die Reihe gebracht wird. Das aus dem ersten Reiniger genommene Oxyd wird nun zum zweitenmal der Einwirkung der Atmosphäre ausgesetzt; ein Theil des Schwefels, welchen das Eisen aus dem Gase aufgenommen hatte, trennt sich dann von demselben, und das Eisenoxyd kehrt in seinen ursprünglichen Zustand zurück, und eignet sich nun wie früher zum Reinigen des Gases.“

„Nachdem einmal das Verfahren im Gange ist, verwandle ich die Eisenfeil-, Bohr- und Drehspäne auf folgende Weise in Reinigungsmaterial: ich mische dieselben mit dem gesättigten Reinigungsmaterial, sobald letzteres aus dem Reiniger genommen wurde, damit die chemische Wirkung welche stattfindet, wenn das Material zum Wiederbeleben der Luft exponirt wird, zur raschen Oxydation des Eisens mithilft, welches dann mit dem wiederbelebten Oxyd zur Gasreinigung benutzt werden kann. – Nach wiederholter Wiederbelebung und Verwendung ist das Reinigungsmaterial durch die mechanische Beimischung von Schwefel aus dem unreinen Gase voluminöser geworden, und nun seine Wirksamkeit wesentlich vermindert; ich erhitze daher das Material in einem Ofen, um den Schwefel zu verbrennen und auszutreiben, worauf es wieder als ein kräftiges Reinigungsmittel verwendet werden kann.“ (Repertory of Patent-Inventions, Mai 1859, S. 370.)

Ueber das Verhalten des Steinkohlenleuchtgases zu fetten Oelen; von Prof. Dr. A. Vogel jun.

Das Steinkohlenleuchtgas ist bekanntlich als ein Gemisch von Elayl mit der großen Reihe homologer Kohlenwasserstoffe nach der Formel CnHn zu betrachten. Es mußte daher wahrscheinlich seyn, daß diese dem Leuchtgase durch fette Oele entzogen werden könnten. Ich habe einige directe Versuche angestellt, welche diese Annahme auf das Entschiedenste bestätigen. Ein sogenannter Dreikugelapparat wurde zu dem Ende mit fetten Oelen gefüllt und ein Strom von getrocknetem Steinkohlenleuchtgas einige Zeit hindurch geleitet. Bei dem ersten Versuche war in dem Dreikugelapparate Mandelöl, in dem zweiten gewöhnliches Brennöl vorgelegt. Das Durchleiten des Gases wurde in jedem der beiden Versuche so lang fortgesetzt, bis das Gewicht des Oeles sich constant zeigte. Die Gewichtsbestimmungen sind innerhalb 10 Stunden, nach deren Verlauf sich das Oel durch das langsame Einströmen des Gases als gesättigt ergab, viermal vorgenommen worden.

A. Mandelöl.

Dreikugelapparat + Oel 12,160 Grm;
leer 10,103 „
d. i. Oel 2,507 „