Text-Bild-Ansicht Band 154

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Ueber die Berechnung des Kohksverbrauchs auf den Eisenbahnen.

Die Berechnung nach Nutzmeilen ist falsch, weil dabei auf das Gewicht der Züge nicht Rücksicht genommen wird; die Berechnung nach Achsmeilen zwar besser, aber immer noch unsicher, weil die leere Achse mit der beladenen gleich hoch angesetzt wird; am meisten empfiehlt sich daher die Berechnung nach Hundertcentnermeilen, wobei natürlich nur das, während der Bewegung erforderliche, Brennmaterialquantum in Betracht kommen kann. Eine solche Berechnung hat Hr. Plathner (s. Erbkam's Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang VIII) nach den ministeriellen statistischen Angaben durchgeführt und dabei, um richtige Verhältnißzahlen zu gewinnen, der Schwierigkeit des Betriebes (im Verhältniß zu einer ganz geraden horizontalen Eisenbahn) Rechnung getragen. Seine Tabelle zeigt, daß bei Personenzügen der Brennmaterialverbrauch pro Einheit im Jahr 1854 von 2,42 bis 10,09 und im Jahr 1855 von 2,58 bis 8,74 Zollpfund Kohks schwankt und zwar bei den leichteren Zügen höher ausfällt, als bei den schweren, daß bei den Güterzügen geringere Differenzen vorkommen (im Jahr 1855 von 1,67 bis 3,75 Zollpfund), der Kohksverbrauch auch mit demjenigen von Personenzügen von 2000 Centnern Gewicht harmonirt, endlich daß bei Arbeitszügen die Differenzen sehr viel größer sind (1,73 bis 7,06 Zollpfund), was sich leicht denken läßt. Eine zweite Tabelle gibt, ohne Rücksicht auf die Art der Züge, deren gegenseitiges Verhältniß bei verschiedenen Bahnen ziemlich dasselbe bleiben wird, den durchschnittlichen Kohksverbrauch pro Hundertcentnermeile für 18 preußische Bahnen, welcher, auf die horizontale Bahn reducirt, im Jahr 1855 zwischen 1,85 Pfund bei der Saarbrückner Eisenbahn und 6,09 bei der Bonn-Kölner Eisenbahn schwankt, im Mittel aber 3,68 Zollpfund beträgt. Der Nutzen solcher Zusammenstellungen springt von selbst in die Augen und verweisen wir in dieser Beziehung noch auf die früher (im polytechn. Journal Bd. CLII S. 235) referirten Zusammenstellungen des Hrn. v. Weber über einige sächsische Bahnen. (Notizblatt des Civilingenieur, 1859, Nr. 7.)

Entwässerung von Kellern mittelst des liegenden Erdbohrers.

Viele Keller sind naß, obgleich das nöthige Gefäll zur Ableitung des Wassers vorhanden ist, weil die Anlage einer Entwässerungsdohle zu kostspielig oder wegen Gebäuden, Gärten etc. nicht ausführbar wäre. In diesem Falle und wo die Erdart es gestattet, ist die Entwässerung auf folgende Weise mit geringen Kosten möglich.

Es wird mit dem liegenden Erdbohrer ein 2 Zoll weites Loch mit etwa 1 Fuß Gefäll auf 100 Fuß Länge gebohrt, sey es von Außen bis in den Wasserbehälter des Kellers, oder von diesem nach Außen. In dieses Loch wird ein 1 Zoll weites Bleirohr eingezogen, innen mit abwärts gebogenem Seiher versehen und dadurch ein Wasserverschluß gebildet, der keinen Luftzug durch die Röhre gestattet.

Auf diese Weise hat der Oberamtsbaumeister Nördlinger, welcher sich zur Ausführung solcher Anlagen erbietet, den Keller des Gymnasialgebäudes in Tübingen entwässert und ebenso in der Schott'schen Bierbrauerei eine zinnerne Röhrenleitung vom Gährkeller unter dem Hofe hindurch bis zur Straße eingezogen, durch welche bei der Abfuhr des Biers in den Lagerkeller dasselbe vom Gährgeschirr bis ins Fuhrfaß geschlaucht wird. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1859, Nr. 38.)

Ueber die Gasretorte von Rotch.

Die dem Genannten in England patentirte Verbesserung an den gewöhnlichen Gasretorten besteht darin, daß das Gas nicht, wie bisher, aus dem vorderen, sondern aus dem hinteren, heißesten Ende der Retorten fortgeführt wird. Im vorderen, nie vollständig erhitzten Theile entwickeln sich vorzüglich die dampfförmigen Kohlenwasserstoffe,