Text-Bild-Ansicht Band 162

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Es ist einleuchtend, daß wenn der Arbeiter einmal in 15, ein andermal in 30 Minuten Kohle abzieht, ohne dem entsprechend zu feuern, was gar nicht so genau ausführbar ist und auch nicht in der intellectuellen und praktischen Fähigkeit des Heizers liegt, daß dann die Kohle abgezogen werden kann und auch wirklich abgezogen wird, nachdem sie ganz verschiedenen Graden der Glühhitze ausgesetzt war. Ich fand dieselbe zu verschiedenen Zeiten in den jetzt allgemein gebräuchlichen Oefen, unter anscheinend denselben Umständen und in renommirten Zuckerfabriken einmal bei 300° Reaumur (375° C.) und ein andermal wieder bei 200° R. (250° C.) abgelassen, so daß eine Differenz von 100° R. (125° C.) stattfand.

Von diesem factischen Vorgange kann man sich sehr leicht überzeugen, wenn man ein Gauntlett'sches Pyrometer1) zur Controle der Arbeit eines Ofens benützt. Da dieses Pyrometer die wechselnde Temperatur aufschreibt und die Zeit dabei bemerkt, so hat der Zuckerfabrikant, indem er das Pyrometer in ein mit Kohle gefülltes Rohr senkt und während des Glühens darin läßt, eine fortlaufende Controle über den wirklichen Stand der Dinge, die er Schwarz auf Weiß nach 24 Stunden dem Arbeiter vorhalten kann, um ihn zu überführen, daß er schlecht gearbeitet hat.

Ich füge in Fig. 8 eine solche Controle während 24 Stunden bei, aus der deutlich zu ersehen ist, mit welcher Unregelmäßigkeit die Knochenkohlen effectiv geglüht werden. Die Zahlen rechts bedeuten die Stunden von Abends 8 bis Morgens 8 Uhr; die Zahlen unten bedeuten die Temperaturen nach Fahrenheit und Reaumur. Sobald Kohle unten abgezogen wird, geht die Temperatur zurück, da kältere Knochenkohle oben nachsinkt; dann erhöht sich die Temperatur und beim nächsten Ziehen wiederholt sich dasselbe Spiel. Die Temperaturgrade werden nun von einem Bleistift continuirlich aufgezeichnet, daher die Striche hin- und hergehen, was ein jedesmaliges Ziehen andeutet. Hiernach wird die Zeichnung Fig. 8 wohl verständlich seyn.

Aus dieser mechanischen Aufzeichnung ersieht man zugleich, wie oft per Stunde „gezogen“ ist und der betreffende Arbeiter ist daher unter der strengsten Controle. Leider kann dieselbe aber nur in einem Cylinder angebracht werden und der Arbeiter strengt sich dann an, diesen regelmäßig zu bedienen, während die übrigen Cylinder jeder Controle entgehen. Dieß dürfte deutlich erhellen, wenn man die Tabelle Fig. 9 betrachtet, welche im Verhältnis zur ersten schon bedeutend regelmäßiger ist, besonders was die Zeit des Abziehens (dreimal per Stunde) anbelangt. Dasselbe

1)

Polytechn. Journal Bd. CLVII S. 279 und Bd. CLX S. 112.