Text-Bild-Ansicht Band 162

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Tableau zeigt aber zugleich, daß beim besten Willen die Temperatur mehr oder weniger verschieden ist und immer noch bedeutenden Schwankungen, hier von 40 Graden Reaumur unterliegt.

So interessant und lehrreich derartige Aufzeichnungen nun aber auch sind, was hilft es dem Fabrikanten, wenn er nach 24 Stunden die Ueberzeugung erhält, daß das Glühen höchst unregelmäßig war? Es ist einleuchtend, daß hier nicht mehr der Arbeiter die Schuld trägt, sondern eine mangelhafte Organisation der Glühapparate: durch die größte Aufmerksamkeit bei Bedienung eines solchen Ofens ist der Arbeiter nicht im Stande, jene Schwankungen zu vermeiden, da einestheils die Kohle nicht stets im vollkommen gleichem Zustande der Trockenheit und Wärme von vorn herein dem Glühapparate übergeben werden kann, anderntheils die Glüh-Röhren mehr oder weniger vom Feuer entfernt stehen, dessen Zug selten so vollkommen gleichmäßig zu vertheilen ist, daß jeder derselben die absolut gleiche Wärmemenge zugeführt werde.

Da nun bei den gewöhnlichen Heizungen die Temperatur der Feuerluft in den verschiedenen Zeiten variirt, je nachdem eben erst gefeuert oder das Meiste niedergebrannt ist, und je nachdem mehr oder weniger Brennstoff in höheren oder niederen Schichten aufgegeben wird, so ist es wohl leicht erklärlich, daß hiebei gar keine Garantie geboten ist stets vollkommen gleichmäßig geglühte Kohle zu erhalten.

Nun hängt aber die Wirkung der Knochenkohle (besonders in Bezug auf Entfärbung) sowohl im Anfang als hauptsächlich später wesentlich von dem Grade ab, bei welchem die Kohle geglüht wurde.

Die Erfahrung lehrt, daß Kohle bei 500° Fahr. (260° C.) geglüht, nur eine höchst mangelhafte Entfärbung bewirkt, während eine Hitze von 650° F. (344° C.) der niedrigste Grad zu seyn scheint, bei dem man ein praktisch zufriedenstellendes Resultat erhält. Eine Temperatur von 700° F. (371° Celsius) gab stets den entschieden besten Effect. Dieß ist wichtig, besonders für Raffinerien und ich rathe daher, gestützt auf vielfältige Erfahrung, diesen Grad der Glühhitze beim Glühen der Knochenkohle anzuwenden.

Nachdem ich zu dieser Ueberzeugung gekommen war und das Mangelhafte der gebräuchlichen Glühöfen hinlänglich erkannt hatte, bemühte ich mich, an derartigen Oefen eine Aenderung dahin zu treffen, daß die Knochenkohle unter allen Umständen die von dem Fabrikanten gewünschte beliebige Temperatur annehmen muß, ehe sie den Glühapparat verläßt und daß der Arbeiter dabei ganz unbetheiligt ist, so daß er beim Ziehen von der unerträglichen