Text-Bild-Ansicht Band 162

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Da in den Rübenzuckerfabriken die Menge der aus den Säften absorbirbaren Stoffe wechselt, und auch das Wegschaffen der von der Knochenkohle absorbirten Stoffe mit mehr oder weniger günstigem Erfolge (vor dem Glühen) ausgeführt wird, so ist eine für alle Fälle geltende Temperatur, welche der Kohle zur Erzielung des höchsten Effectes ertheilt werden muß, nicht anzugeben; der Fabrikant ist somit darauf angewiesen, durch Vergleichung des Effectes von, bei verschiedenen Temperaturen geglühter Knochenkohle gleicher Qualität, mittelst decolorimetrischer Messungen, den geeigneten Temperaturgrad zu ermitteln.

Welche Wiederbelebungs-Hitze aber auch ein Fabrikant vortheilhaft finden mag, so muß ihm stets daran gelegen seyn, seine Knochenkohle keinem höheren Wärmegrade auszusetzen, als zur Erzielung des höchsten Effectes unumgänglich nöthig ist, denn jedes Uebermaaß wäre in mehrfacher Beziehung Verschwendung. Der oben besprochene Apparat, welcher die Kohle bei jeder gewünschten Temperatur abzulassen gestattet, je nachdem man die Hebelvorrichtung in Bezug auf die Ausdehnung der Messingstange mit dem Schieber in Verbindung setzt, gewährt die Bürgschaft, daß die Kohle niemals einer höheren als der verlangten Temperatur ausgesetzt wird, daher mit Beibehaltung der bestehenden Knochenöfen jeder schädliche Einfluß auf die Qualität des Productes vermieden werden kann. Man hat den Vorschlag gemacht, durch die Knochenkohle behufs des Wiederbelebens einen Wasserdampfstrom von höherer oder niederer Spannung zu leiten. Während in den Knochenöfen die vom Brennstoff erzeugte Wärme unmittelbar den Cylindern zugeführt wird, findet dagegen bei jener Anwendung des Dampfes eine mittelbare Uebertragung der vom Brennstoff gelieferten Wärme statt. Da aber der Dampf auf seinem Wege durch lange Leitungen Wärme verliert, ferner die von den Kesselöfen, worin der Dampf erzeugt wird, abziehenden Gase im Schornstein eine Temperatur von 250 bis 400° C. haben, während die von den Knochenöfen abziehenden Gase gewöhnlich nur 120° C. zeigen, so erhellt zur Genüge, daß die Anwendung des Dampfes zum Erhitzen der Knochenkohle im Vergleich mit der directen Heizung der Knochenöfen niemals eine Brennstoffersparniß gewähren kann.

Ich bemerke noch, daß es hauptsächlich gypshaltige Kohle ist, welche in den Knochenöfen bei der Rothglühhitze einen großen Verlust an Kohlenstoff erleidet, weil 1 Aequivalent Gyps bis 4 Aeq. Kohle zerstören kann: man befreie daher die Kohle von Gyps, bevor sie den Knochenöfen übergeben wird.

Wenn Kohle, welche Sand oder kieselsaure Verbindungen enthält und worin Alkalien zurückblieben, der Rothglühhitze ausgesetzt wird, so