Text-Bild-Ansicht Band 163

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Wasserstoff mit Kohlenstoff zu verbinden; unter ihnen waren Jobard, Selligue, White und le Prince diejenigen, welche auf diese Weise die besten Resultate erhielten, ohne im Allgemeinen einen günstigen Erfolg erreicht zu haben; denn die Methoden waren praktisch schwer durchzuführen.

Den Herren Schaeffer und Walcker in Berlin ist es jetzt vollkommen gelungen, aus dem Wasser in Verbindung mit den billigsten kohlenwasserstoffhaltigen Materialien, als Theer, Harz, Erdöl etc. ein Leuchtgas zu erzeugen, welches in den verschiedensten Beziehungen einen Vorzug vor dem Steinkohlengase hat. Das neue Gas, Hydro-Carbon-Gas genannt, welches nach seiner directen Ausleitung aus dem Gasometer mit vollster Leuchtkraft brennt, und sich nach jeder Entfernung hin leiten läßt, hat dem Leuchtgas aus Steinkohlen gegenüber nach Angabe der Erfinder folgende Vortheile: 1) die Darstellung ist eine einfache und leichte; die Retorten werden nicht geöffnet, um entleert und gefüllt zu werden, sondern die Entwickelung geht in ununterbrochener Weise fort, und es kann nach Belieben jeden Augenblick damit aufgehört und begonnen werden; 3) die benutzten Materialien werden bei der Gasbereitung vollständig aufgenutzt, ohne sonstige Nebenproducte zu erzeugen, auch sind die Materialien frei von Schwefelverbindungen, weßhalb die bei der Steinkohlengasbereitung nöthigen umständlichen. Reinigungen und dadurch erforderlichen Reinigungsapparate fortfallen; 3) das Hydrocarbongas hält sich in dem Gasometer und in den Röhren wochenlang in jeder Temperatur, ohne an Kraft zu verlieren; 4) das Gas ist frei von jeder schädlichen Verbindung und wirkt deßhalb bei der Konsumtion nicht nachtheilig auf polirte Metalle, Vergoldungen, Tapeten, Pflanzen und andere Stoffe, wie dieß bei Steinkohlengas der Fall ist; 5) die Leuchtkraft des Gases ist mehr als doppelt so groß als die des Steinkohlengases, trotzdem der Verbrauch nur 2/3 so stark ist; es eignet sich deßhalb besonders zur Beleuchtung von Zimmern, Sälen, Theatern etc., da in Folge des geringeren Consums, bei größerer Helligkeit, weniger Verbrennungsproducte entstehen, und die zuweilen unerträgliche Hitze und die sonstigen Unannehmlichkeiten des gewöhnlichen Leuchtgases bedeutend vermindert werden; 6) die Herstellungskosten stellen sich billiger als die des Steinkohlengases. Eine Retorte in der Größe der bis jetzt üblichen Gasretorten von 8 1/2 Fuß Länge liefert in 24 Stunden 8–9000 Kubikfuß Gas.

Aus den angeführten Punkten ergeben sich für die praktische Anwendung im Großen folgende Resultate: die Einfachheit der Herstellung, sowie der dazu nöthigen Apparate (Retorte, Abkühlungsvorrichtung und Gasometer), lassen die Gasbeleuchtung leicht und bequem für kleinere Anlagen,