Text-Bild-Ansicht Band 163

Bild:
<< vorherige Seite

sowie das aus dem flüssigen Kohlenwasserstoff anfangs als Leuchtgas abgeschiedene Gasgemisch, sättigen sich mit den (im angewandten, noch unzersetzten flüssigen Kohlenwasserstoff enthaltenen) verschiedenen flüchtigen Kohlenwasserstoffen zu permanentem Leuchtgas.

Die praktische Durchführung dieser Theorie ist vielfach angestrebt worden, ohne bisher zufriedenstellende Resultate geliefert zu haben. Der Grund davon war hauptsächlich der, daß man die Zersetzung des Wasserdampfs und des Kohlenwasserstoffs nicht zu gleicher Zeit und in einem Raume vornahm, sondern meistens den Wasserdampf zuvorderst über glühenden Kohlen zersetzte, und das sich entwickelnde Wasserstoffgas dann erst mit den Kohlenwasserstoff-Dämpfen in Berührung brachte, wie dieß auch bei dem Verfahren von Selligue geschieht.

Der Apparat der HHrn. Schaeffer und Walcker zur praktischen Durchführung dieser Theorie ist ein sehr einfacher, und hat sich an allen Orten, wo er bisher aufgestellt wurde, bewährt.

Eine in einem Ofen liegende Retorte B (Fig. 10), mit Kopf C und Rohr D zum Abführen des sich entwickelnden Gases, ist bei L mit zwei Stutzen versehen, welche oberhalb des Ofens die Behälter K tragen, durch deren Boden die Verlängerungen der Stutzen 4–5 Zoll hineinragen. Ueber diese Verlängerungen sind Glocken P gestulpt, welche durch Bajonnetverschluß bei O gehalten werden. Der untere Rand dieser Glocken ist bei N, N durchlöchert. Es bildet sich auf diese Weise ein Flüssigkeits- und Sicherheitsabschluß, wenn in die Behälter K Flüssigkeit tropft, und es ist leicht, jederzeit zu den Zugängen der Stutzen zu gelangen. Ein dritter Stutzen I steht durch Hahn H und Rohr G mit einem neben der Retorte im Zug des Ofens eingemauerten Rohr in Verbindung, welches vorn aus dem Ofen herausragt und mit einem Siphon versehen ist. Wasser, welches in den letzteren tropft, wird in dem Rohr zu Dampf, und tritt als solcher durch G und H bei I in die Retorte. E ist das verlängerte, wieder abwärts fallende Rohr D: F ist ein Theer- resp. Wasserverschluß. Ein Behälter R nimmt die zur Gasbereitung bestimmten Kohlenwasserstoffe auf, um dieselben durch ein Rohr mit Hähnen T zu den Behältern K und somit in die Retorte zu leiten. Hat man feste oder zähflüssige Kohlenwasserstoffe zu verarbeiten, so läßt sich der abgehende Zug vom Ofen so leiten, daß der Behälter R erwärmt wird.

Die Gasbereitung mit diesem Apparat ist eine sehr einfache. Die Retorte wird mit Kohks, Eisen- oder Chamottestücken gefüllt, geschlossen und bis zur Rothgluth erhitzt; läßt man dann durch die Hähne T flüssigen Kohlenwasserstoff und durch G und H Wasserdampf eintreten, so entwickelt sich ein Leuchtgas, dessen Leuchtkraft diejenige des Steinkohlengases