Text-Bild-Ansicht Band 164

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aller möglichen Flecken (Tinten-, Fettflecke etc., zum Waschen von Handschuhen, schwarzem Seidenzeuge u.s.w.) empfohlen wird – aufmerksam gemacht. Es wurden zugleich Proben dieses Scharlachwassers vorgezeigt; die eine Flasche enthielt ungefärbtes Scharlachwasser, die andere rothgefärbtes. Das letztere soll bei scharlach- und orangegefärbten Sachen angewandt werden – das erste bei allen sonstigen gefärbten und ungefärbten Sachen. Eine Probe von der ungefärbten Flüssigkeit wurde mir zur Untersuchung überlassen.

Die damit angestellte Untersuchung ergab, daß die Flüssigkeit etwa 4 bis 5 Procent festen Rückstand hinterließ, bestehend aus oxalsaurem Kali und oxalsaurem Natron. Die Flüssigkeit reagirte sehr wenig alkalisch, war auch schwach parfümirt.

Nach dieser Untersuchung scheint die so pomphaft angepriesene Flüssigkeit nichts anderes zu seyn, als eine Auflösung des sogenannten „Reinigung- oder Schönungsalzes“ – worüber bereits im polytechn. Journal Bd. CLIX S. 400 berichtet wurde – in Wasser. Die Vorschrift zu dieser Flüssigkeit ist folgende: Man nimmt 1000 Gewichtstheile reines Regenwasser oder destillirtes Wasser, 32 Theile Kleesalz, 16 Theile Soda, 5 Theile Potasche. Will man die Flüssigkeit roth gefärbt haben, so setzt man obiger Mischung 2 Theile Cochenille zu und filtrirt nach einigem Stehen.

Eine Flasche mit obigem Scharlachwasser enthält etwa 6 Neuloth (300 Gramme), worin etwa 3 Quint fester Substanz gelöst sind. Diese kostet höchstens 1 Silbergroschen; dazu kommen die Kosten für das Glas, Etikette, Kork, etwas wohlriechende Essenz, die sich mit 2 bis 3 Groschen gewiß sehr reichlich bezahlt machen, so daß die Flasche mit der Flüssigkeit gefüllt auf höchstens 4 Silbergroschen zu stehen kommt. Wenn nun die Flasche für 16 Silbergroschen verkauft wird, so hat der Fabrikant (Burdel in Paris) dafür gesorgt, daß er nicht zu Schaden kommt. Dr. Sauerwein. (Monatsblatt des hannoverschen Gewerbevereins, 1862, Nr. 3 und 4.)

Ueber Gallussäure im Bündner Rothwein und Löslichkeit des Traubenfarbstoffes; von R. Th. Simmler.

Da es mir öfter vorgekommen, daß ich Weine auf Aechtheit in Farbe, Weingeistgehalt etc. zu prüfen hatte, so theile ich hier einige Erfahrungen mit.

Gallussäure ist bis jetzt in keinem Weine aufgefunden worden; Mulder hält es indeß für sehr wahrscheinlich, daß sie darin vorkomme.

Es ist nicht schwer Gallussäure in den Bündner Rothweinen sehr deutlich nachzuweisen.

Aus 100 Kub. Centim. Wein wurde die Gerbsäure mit Fischleim entfernt, dann das Filtrat mit Wasser verdünnt, bis die Farbe hell genug war, um eine Veränderung zu erkennen, jetzt Eisenchlorid zugesetzt. Es entstand eine grünbraune Färbung, die bei stärkerer Verdünnung an der Luft stehend, allmählich violett wurde und schließlich schwarzblaue Flocken fallen ließ. Bei der hiesigen Weinbereitungsmethode, nach welcher der junge Wein Wochen ja Monate lang auf den Trestern so zu sagen offen liegen bleibt, wäre es schwer zu begreifen, wie da nicht Gallussäure durch Zersetzung der Gerbsäure mit in den Wein kommen sollte.

Scheidet man aus Wein nach Mulder's Methode den blauen Traubenfarbstoff ab, was ich oft gethan habe, so findet man, daß dieses Traubenblau, welches in dünnen Schichten auf einem Uhrglase schön irisirt, wie in der Traube selbst, auch in den sogenannten Fruchtäthern (wenigstens in essigsaurem und buttersaurem Aethyloxyd) etwas, mit violetter fast rein blauen Farbe löslich ist und durch Verdunsten derselben wieder im ursprünglichen Zustande erhalten werden kann. Ammoniak macht es erst grün und zerstört es dann zu einer braunen Substanz. (Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie, Bd. CXV S. 617.)