Text-Bild-Ansicht Band 165

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Wendet man kalte und hinreichend verdünnte Lösungen an und vermeidet einen beträchtlichen Ueberschuß von Gerbstoff, so bildet das gerbsaure Rosanilin einen flockigen und pulverigen, sehr zertheilten und prachtvoll carminrothen Niederschlag. Man wascht ihn und läßt ihn bei gelinder Wärme trocknen. Die Mutterlaugen sind sehr oft ganz farblos.

Will man einen Niederschlag erzielen, welcher möglichst viel Rosanilin enthält, so braucht man ihn nur mit neuen, schon vorher hinreichend gereinigten Lösungen von Anilinroth zu schütteln, so lange als diese noch entfärbt werden oder die Farbe des Niederschlags an Intensität zunimmt.

Beim Erhitzen wird das gerbsaure Rosanilin dunkler und bekommt eine violette Nüance; einer höheren Temperatur ausgesetzt, wird es bräunlich und zersetzt sich endlich. Das gerbsaure Rosanilin löst sich in Alkohol, Holzgeist und Essigsäure mit außerordentlich intensiver carminrother Farbe auf. Die starken Säuren ändern die rothe Farbe in Orangegelb um, und die Substanz geht in Lösung über. Durch Zusatz von Wasser wird die rothe Farbe wieder hergestellt, sticht dann aber ein wenig in Violett. Oft scheint das Ganze in Lösung zu bleiben; aber nach Verlauf einer gewissen Zeit bildet sich ein neuer, mehr oder weniger in Violett stechender rother Niederschlag von gerbsaurem Rosanilin; die Flüssigkeiten bleiben jedoch in der Regel roth gefärbt, manchmal ziemlich stark, besonders wenn das angewendete Präparat stark mit Rosanilin gesättigt war.

Unter dem Einfluß des Aetzkalis und Aetznatrons wird das gerbsaure Rosanilin zersetzt und entfärbt; das Ganze bekommt bald eine matte und schmutzige Farbe, in Folge der Veränderung des Gerbstoffs durch den Sauerstoff der Luft in Gegenwart des Alkalis.

Wenn man Gewebe mit Gerbstoff (sey es reinem, oder mit Metallsalzen und organischen Substanzen gemischtem) beizt oder bedruckt, und sie hernach in einem Bad von Anilinroth färbt, so bildet sich gerbsaures Rosanilin, woraus die entstandenen und befestigten Farben bestehen.

Das gerbsaure Rosanilin läßt sich aber auch direct zum Zeugdruck anwenden, indem man hierzu seine Löslichkeit in Essigsäure benutzt; nachdem die essigsaure Lösung auf geeignete Weise (mit arabischem Gummi, Traganth, Stärkmehl etc.) verdickt worden ist, druckt man sie auf den Zeug, dämpft denselben und das gerbsaure Rosanilin ist dann stark genug befestigt. Man muß nur Vorsichtsmaßregeln treffen, um zu vermeiden daß während dieser Operationen die rothe Farbe einen bräunlichen oder violetten Ton annimmt.

Wenn man das gerbsaure Rosanilin mit Salzsäure kochen läßt, so löst es sich zuerst ohne Veränderung auf, denn auf Zusatz von viel Wasser entsteht wieder ein rother Niederschlag, während die Flüssigkeit