Text-Bild-Ansicht Band 169

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und eine sehr zuckerarme spalten lasse, kam ich, wie leicht erklärlich, auf die Vermuthung, daß Aehnliches vielleicht auch mit dem unveränderten Rohmaterial, dem Rübensaft selbst, vorgehen könne. Wenn dem wirklich so wäre, so würde man ohne große Schwierigkeit von vornherein eine solche Reinigung mit dem Safte vornehmen können, daß die weitere Verarbeitung eine ganz außerordentlich einfache werden mußte, und sich also von einem solchen Verhalten die mannichfachsten Vortheile erwarten ließen.

Im Folgenden erlaube ich mir die Ergebnisse derjenigen Versuche mitzutheilen, welche ich in diesem Sinne angestellt habe. Der Gang derselben entsprach im Allgemeinen demjenigen, welcher bei den entsprechenden Versuchen mit Melasse befolgt wurde. Es bedarf daher hier keiner näheren Beschreibung. Da das Verhältniß, welches bei der Melasse ein gutes Resultat geliefert hatte, sich hier nicht anwendbar erwies, so sind verschiedene Verhältnisse von Kalk angewandt worden; auf die Menge des Weingeistes wurde keine Rücksicht genommen, da es sich ja um eine technische Anwendung vorläufig nicht handelt; wohl aber kam Weingeist von verschiedener Stärke in Anwendung, weil die Menge des vorhandenen Wassers sich immer von Einfluß gezeigt hatte.

Es lag nahe, das Verhalten des Rübenbreies sowohl im frischen, wie im getrockneten Zustande zu prüfen, wobei jedoch nur von mit Kalk getrocknetem Brei die Rede seyn konnte, dessen eigenthümliches Verhalten schon früher der Gegenstand einer Mittheilung gewesen ist, worauf hier verwiesen seyn möge (s. dieses Journal Bd. CLVIII S. 133).

Alle Versuche stimmen darin überein, daß sie auf Ermittelung des Verhältnisses zwischen Zucker und Nichtzucker – des Zuckerquotienten – gerichtet waren, welches sowohl für das in Weingeist Gelöste, die „Lösung,“ wie für das Ungelöste „den Preßling“ bestimmt wurde.

A. Frischer Rübenbrei.

1) Polarisation des ausgepreßten Saftes: 13,9 Proc., bei einem specif. Gewicht von 16,2 Proc. Ball.; mithin Quotient: 85,8.

Von diesem Rübenbrei wurden 2 Pfd. mit 5 Loth Kalkhydrat gemischt und dann mit ihrem gleichen Volumen Weingeist von 86 Proc. versetzt (wobei sich das Gemisch merkwürdig trocken zeigte), und alsbald ausgepreßt.

  • a) Abgepreßte Lösung. Dieselbe war trübe und wurde daher filtrirt, worauf sie auf weitern Zusatz von Weingeist keinen Niederschlag mehr ergab. Die klare Lösung zeigte nach der Saturation und Entfernung des Weingeistes ein Gewicht von 7,4 Proc. Ball. und eine Polarisation von 5,3 Proc., mithin einen Quotienten von 70,3 Proc.