Text-Bild-Ansicht Band 169

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Finden sich doch in der Literatur, der wissenschaftlichen wie technischen, mehrfache Analysen der bestbekannten schottischen Thone; und dennoch herrscht über deren eigentliche Constitution eine solche Ungewißheit, daß auf Grund eben der Analysen, Thone als täuschend ähnlich den besten englischen oder auch belgischen angepriesen werden, welche, vergleicht man deren Strengflüssigkeit, auf das auffallendste von einander verschieden sind. In diesem Falle erscheint daher die Analyse, die uns leuchtende Führerin seyn sollte, geradezu als Verführerin, was sich zum Theil durch den Umstand erklärt, daß man über die unwesentlichen Bestandtheile die wesentlichen, über die die Eigenschaften des feuerbeständigen Thones modificirenden, die eigentlich bedingenden mehr oder weniger übersah. Die sogenannten flußbildenden Bestandtheile, deren Menge allerdings eine gewisse Grenze, welche bei übrigens ausgezeichnet strengflüssigen Thonen durchaus keine eng beschränkte ist, nicht überschreiten darf, sind es keineswegs, wornach man einzig und zuerst bei Beurtheilung der Güte eines feuerfesten Thones zu fragen hat, wiewohl unter Anderen Gaffard ein Verfahren „nichtfeuerfeste Thone in feuerfeste umzuwandeln“ und Bower ein Patent darauf begründet hat.63)

In einem Thone kann die Menge der beigemengten Alkalien, des Eisens und Kalkes verhältnißmäßig selbst sehr wenig betragen und doch gehört der betreffende Thon nicht zu den strengflüssigen. So z.B. finden sich Thone, wie ich einen solchen, vorkommend auf der preußischbelgischen Grenze unweit Aachen, analysirte, dessen flußbildende Bestandtheile im Mittel von zwei genauen Bestimmungen nur 1,80 Proc. betragen, und doch ist seine Strengflüssigkeit = nahezu 5, d.h. er ist kaum noch den gewöhnlichen feuerfesten Thonen zuzuzählen. Andererseits gibt es unter anerkannt höchst strengflüssigen, englischen wie belgischen Thonen, solche, bei denen die flußbildenden Bestandtheile in Summa selbst bis zu 5 Proc. ausmachen, wobei uns jedoch, beiläufig erwähnt, das bemerkenswerthe Verhältniß entgegentritt, daß derartige Thone wenig Alkalien enthalten. Dann wirken, worauf unter Anderen Asmus in seinen praktischen und trefflichen Aufsätzen64) hingewiesen hat, diese Flußmittel verschieden nachtheilig. Am nachtheiligsten sind, wie Ziurek treffend auseinander gesetzt hat, die Alkalien, dann dürfte folgen das Eisen, namentlich das Eisenoxydul, hierauf die Kalkerde, und am wenigsten nachtheilig ist die Bittererde.

63)

Polytechn. Journal Bd. CIV S. 398 und Bd. CLXII S. 239.

64)

Berggeist, 1859, Nr. 39 und 40.