Text-Bild-Ansicht Band 169

Bild:
<< vorherige Seite

Es stimmt diese, im Allgemeinen erfahrungsmäßig begründete Ordnung überein mit der Schmelzbarkeit der Verbindungen dieser Basen mit Kieselsäure, deren relatives Verhältniß ich früher zu ermitteln suchte65) und woraus hervorgeht, daß eventuell, wenn es an Kieselsäure fehlt, um ein Eisentrisilicat zu bilden, das Eisen entschieden nachtheiliger wirken muß, als die Kalkerde.

Fast genau steigt die Strengflüssigkeit der Silicate mit der Zunahme der Sättigungscapacitäten der Basen.

Ist sowohl die Quantität als Qualität der flußbildenden Bestandtheile nur bedingt maaßgebend, so müssen andere Verhältnisse um so unbedingter entscheidend seyn.

Ziehen wir die Hauptbestandtheile eines jeden Thones: die Kieselsäure und die Thonerde, und deren Verhältniß zu einander, in Betracht, so hat man wohl von der Voraussetzung der sehr großen Strengflüssigkeit der Kieselerde an sich geschlossen, daß mit deren verhältnißmäßiger Zunahme auch die Strengflüssigkeit der Thone zunehme. Auch der praktische Versuch schien eine solche Voraussetzung zu bestätigen, da allerdings die meisten Thone durch Zusatz von Quarzsand strengflüssiger zu machen sind, was täglich fabrikmäßig geschieht, und steht diese Erfahrung ja in genauem Zusammenhang mit der Erhöhung der Strengflüssigkeit der verschiedenen Silicate durch Vermehrung der Kieselsäuremenge, wie z.B. die Trisilicate der resp. Erden strengflüssiger sind, als die Monosilicate. Das Gemenge mit dem größeren Kieselsäure- resp. Quarzzusatz braucht längere Zeit der Erhitzung, ehe die Silicatbildung – sofern man darunter das Uebergehen des pulverigen, losen Zustandes in den festen, dichten mit wenigstens oberflächlichem Glasüberzug versteht – eintritt, als das mit dem geringeren, so daß man gewissermaßen aus dem Grade oder der Zeit der Schmelzbarkeit, die Kieselungsstufe eines Silicats erkennen kann.

Diese Unterschiede treten deutlich hervor bis zu der Temperatur, welche die Silicatbildung bedingt; wird aber die Temperatur höher gesteigert, so machen sich andere Verhältnisse geltend. Wird nämlich die Prüfungshitze erhöht über den Schmelzpunkt des Gußstahls bis zu dem des Schmiedeeisens oder noch höher, so daß die Silicatbildung bereits eingetreten, so ist umgekehrt das gebildete Silicat ein mehr flüssiges, wenn die Kieselerde vorwaltender ist.

Mit anderen Worten: wir müssen zwischen der erforderlichen

65)

Polytechn. Journal Bd. CLXV S. 378.