Text-Bild-Ansicht Band 169

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Temperatur zur Bildung der Thon-Silicate und derjenigen zum Flüssigwerden der gebildeten Silicate unterscheiden.

Die Bildung verlangt eine um so länger andauernde Erhitzung, je mehr Kieselerde in die Verbindung eingehen soll; das Flüssigwerden der ganzen Masse der gebildeten Silicate, wozu überhaupt eine höhere Temperatur erforderlich, findet umgekehrt, eher und vollständiger statt bei vorherrschender Kieselsäure. Die intelligentere Praxis, welche für die höchsten Feuersgrade die sogenannten „Sandsteine“ verwirft, hat dieß längst erkannt.

Man hat in neuerer Zeit, wie Fresenius in seinen unübertrefflichen Thonuntersuchungen ausführte, unterschieden zwischen der chemisch gebundenen Kieselsäure und dem mechanisch beigemengten Quarzsande, was freilich keineswegs unwichtig ist und worauf ich weiter unten noch zurückkommen werde: man hielt einen Thon für um so strengflüssiger, je mehr Kieselsäure im gebundenen Zustande darin enthalten ist. Auch hierfür gilt im Ganzen das eben Gesagte und läßt sich diese Behauptung, so allgemein ausgesprochen, nicht begründen.

Synthetische Versuche.

Mengt man 1 Theil chemisch reines Thonerdepulver mit 1,801 chemisch reinem Quarzpulver zusammen, worin die Sauerstoffmengen – nach der Formel Al²O³, 2 SiO³ – gleich oder neutral und somit das Gemenge dem Monosilicat entspricht, und ebenso 1 Theil Thonerde mit 3,601 und 5,402 Quarz, welche Gemenge das Bi- und Trisilicat geben, und setzt dieselben, zu kantigen Prismen geformt, einer heftigen Glühhitze aus, welche über den Schmelzpunkt des Gußstahls geht und den des Schmiedeeisens erreicht, so beginnt zuerst das Monosilicat mit einer glasigen Rinde sich zu überziehen und erst später das Bi- und Trisilicat, welche letztere fast gleichzeitig zu schmelzen anfangen.

Zur Controlirung des Hitzegrades wurde ein kantiges Stück Schmiedeeisen in eine Platinkapsel eingeschlossen, welcher als Unterlage ein vertieftes Tellerchen aus reiner Thonerde diente. Das Eisenstückchen rundete sich ab mit völlig convexen Flächen. An der Stelle, wo das Schmiedeeisen das Platin berührte, war die Kapsel, welche übrigens ungeschmolzen war, stets ein wenig zerfressen.

Vermindert man dagegen die Menge der Kieselsäure und mengt 1 Theil chemisch reines Thonerdepulver mit 0,9 – nach der Formel Al²O³, SiO³ – und ebenso 1 Theil Thonerde mit 0,45 und 0,22 chemisch reinem Quarzpulver und setzt diese Gemenge im Vergleich zu dem Mono-, Bi- und Trisilicat dem bezeichneten Feuersgrade aus, so daß letztere sich mit einer glasigen Rinde überziehen, so bieten sich bei den