Text-Bild-Ansicht Band 169

Bild:
<< vorherige Seite

Innern der Probe Kennzeichen einer Schmelzung. Der Bruch ist körnig und wenig fest (ziemlich lose.)

Die einfach gereinigte Kieselsäure zeigte sich schon schmelzbarer, sowie sofort sich deutlich zu erkennen gab die größere Leichtflüssigkeit, wenn dieselbe in einem Porzellanmörser und noch mehr, wenn sie in einem Glasmörser gerieben wurde.

Kieselerde, wie sie bei den Silicatanalysen nach dem Aufschließen mit kohlensaurem Alkali erhalten wird, selbst auf das Allersorgfältigste mit kochendem Wasser längere Zeit ausgewaschen, verhielt sich gleichfalls weniger strengflüssig.

Der norwegische Quarz ist völlig glasirt, theils durchsichtige, theils milchweiß-blasige Glasmasse bildend.

Der wasserhelle Bergkrystall zeigt einen dünnen glasigen Ueberzug (Schmelz), ohne abgerundete (abgeflossene) Kanten; er ist weiß und undurchsichtig geworden.

Der Amethyst verhält sich ähnlich. In der mehr durchsichtigen Masse schwimmen vereinzelte weiße Flitter.

Aus vorstehenden Versuchen geht demnach hervor, daß die mit Vorsicht dargestellte chemisch reine Thonerde weniger strengflüssig ist als die chemisch reine Kieselerde; dagegen ist die natürliche reine Thonerde strengflüssiger, als die natürliche Kieselerde und zwar als der reine norwegische Rosenquarz, der Bergkrystall und Amethyst.

Die Schmelzbarkeit der reinen Thonerde wie Kieselerde liegt indessen über der, es sey denn ganz vereinzelte Stellen, etwa vor der Form im Hohofen, ausgenommen, selbst in unseren heißesten Schmelzöfen herrschenden höchsten Temperatur. Andererseits läßt sich annehmen, daß das Schmelzen der reinen Thonsilicate, und zwar der Bi- und Trisilicate, und selbst schon der Monosilicate, bei einer Temperatur stattfindet, die in unseren heftigsten Feuerungen in den Schweißöfen, Gußstahlöfen und Hohöfen, erreicht wird; während das bei den basischen Thonsilicaten nicht der Fall seyn dürfte.

(Die Fortsetzung folgt im nächsten Heft.)