Text-Bild-Ansicht Band 169

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Ueber Toile crêmée.

In dem Artikel Tissus welchen A. F. Legentil für das Dictionnaire du commerce et de la navigation (Bd. II S. 1670) schrieb, erwähnt derselbe in der technologisch wissenschaftlichen Gliederung der Leinengewebe auch der toile crêmée.“ Man nennt, fügt der Verfasser erläuternd an, toiles crêmées jene Leinengewebe, welche aus Garnen gewebt wurden, die man als solche (vor dem Weben) angebleicht hat. Das Garn wird, sowie es aus der Spinnerei kommt, mit Lauge gesotten, mit reinem Wasser ausgespült und sodann in eine Chlorkalklösung, welche eine bleichende Kraft auf dasselbe ausübt, eingetaucht. Darnach entfernt und neutralisirt man diese Chlorkalklösung wieder durch ein Ausspülen in Wasser, welchem eine geringe Quantität Schwefelsäure beigegeben worden ist.

Nach dieser Behandlung erscheint das Gespinnst in einer eigenthümlichen gelblichen Farbe. Der Gewichts-Abgang, den diese chemischen Vorgänge für die Garne zur Folge haben, beträgt in der Regel zehn Procent und darüber.

Man wendet häufig in solcher Weise cremirte Gespinnste an, um Leinewande anzufertigen, welche bestimmt sind, weiß gebleicht zu werden.

Es geschieht dieses in der Absicht, um dem bereits angefertigten Gewebe nicht allzuviel von seiner Substanz zu entziehen (wodurch es begreiflicherweise an seinem Ansehen und seiner Verkäuflichkeit beträchtlich einbüßen würde).

Bei den feinsten Leinwandsorten kommt jedoch dieses Verfahren nicht in Anwendung.

Die französische Zoll-Verwaltung unterwirft die Toiles crêmées und andere halbgebleichte (blondines) Leinensorten den nämlichen (höheren) Zollsätzen, denen die gebleichten unterworfen sind, und zwar mit vollem Rechte, denn, wenn gleich ein geübtes Kennerauge die verschiedenen Grade der Bleichung und besonders die eigenthümliche Nüance der Toiles crêmées auf den ersten Blick zu erkennen vermag, so ist dennoch in vielen Fällen die Unterscheidung eine sehr schwierige, vielen Trugschlüssen und Irrthümern unterworfene.

Man betrachtet daher als „gebleicht“ jede Leinwandsorte, welche außer einer Auslaugung von größerer oder geringerer Ausgiebigkeit einem entfärbenden Verfahren unterworfen worden ist, in welchem das Chlor und seine Präparate in beinahe allen Fällen mitwirkend zu seyn pflegt. Die französische Zoll-Verwaltung hat auf diese Weise das Interesse der einheimischen Leinenfabrication in einer anerkeunenswerthen Ausgiebigkeit gewahrt.

Es dürfte den maßgebenden Stellen im deutschen Zollverein wohl anstehen, diesem Beispiele zu folgen und das Interesse der deutschen Leinenfabrication in Westphalen und Schlesien, im bayerischen Walde, auf der schwäbischen Alp und in verschiedenen Gegenden des Schwarzwaldes schützend zu berücksichtigen, indem sie derartige halbgebleichte Leinenfabricate den angebleichten und völlig gebleichten dem Tarifsatze von 20 Thlr. = 35 fl. per Centner nach Pos. 22 F. zuwiesen.

Es ist bekannt, daß schon seit einiger Zeit derartige halbgebleichte Maschinengarn-Leinengewebe aus Belfast in ziemlich großer Quantität nach Westphalen geliefert werden, wo solche dann, nachdem sie mit leichterem Gewichte, unter der Begünstigung mit dem geringen Zollsatze von nur 4 Thlrn. per Centner vollständig weißgebleicht, nach dortiger Art hergerichtet, verpackt und als westphälische Maschinen-Leinen in alle Welt hinausgesendet zu werden pflegen.

Der Umsatz soll ein immer steigender, gut rentabler seyn.

An seiner Erzielung scheint aber jedenfalls mehr die Gewinnsucht, als der patriotische Eifer für die Erhöhung der inländischen Gewerbthätigkeit Theil zu haben. (Kunst- und Gewerbeblatt für Bayern, 1863 S. 434.)

Verbesserte Kunstgießerei, von H. Jacob Fehr in Augsburg.

(In Bayern patentirt gewesen.)

Man zeichnet den zu fertigenden Gegenstand auf Holz und schneidet denselben genau nach der Zeichnung aus. Nachdem das Modell auf diese Weise ausgeschnitten, wird dasselbe mit kochendem Schweinefett bestrichen, das überflüssige Fett mit einer Bürste oder einem Pinsel beseitigt. Sobald dann das so vorgerichtete Modell mit einem Rahmen