Text-Bild-Ansicht Band 159

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gelegene Dorf Hörr, in welchem diese Fabrication von der aus 28 Meistern bestehenden sogenannten Kannebäckerzunft und noch zwei oder drei andern der Zunft nicht angehörenden Meistern betrieben wird. In jeder dieser 30 Werkstätten arbeiten zwei oder drei Gesellen an den Scheiben; außerdem ist noch ein Arbeiter mit Zubereitung des Thons beschäftigt, und zwei Frauenzimmer versehen das Geschirr mit den bekannten blauen Streifen, Blumen, Guirlanden u.s.w.

Die zur Anwendung kommenden Scheiben weichen von den gewöhnlichen Hafnerscheiben dadurch ab, daß die bei den letzteren angewandte, mit den Füßen getriebene massive Schwungscheibe durch ein Speichenrad ersetzt ist, welches beim Beginn der Arbeit durch einen zwischen die Speichen eingeführten Pfahl in Umdrehung gesetzt wird. Während der in der ersten Zeitperiode vorhandenen großen Umdrehungsgeschwindigkeit wird das Aufdrehen, während der späterhin eintretenden langsameren Bewegung die Faconirung und Vollendung des zu fertigenden Gegenstandes bewirkt.

Der Brennofen hat eine horizontale, rechteckige Sohle von 28–30 Fuß Länge und 6–8 Fuß Breite, welche in 7–8 Fuß Höhe von einem Tonnengewölbe überspannt ist. Die Sohle selbst bildet ein flaches, mit vielen Oeffnungen versehenes Gewölbe von circa 8 Zoll Scheitelstärke, unter welchem sich in 2 1/2 bis 3 Fuß Entfernung der Feuerraum ausbreitet. Letzterer zieht sich wie bei den sogenannten aufrechten Oefen unter der ganzen Ofensohle durch und ist an derjenigen schmäleren Seite, welche der Eintrageöffnung entgegengesetzt ist, mit den Feuerthüren, in vielen Fällen auch, namentlich bei Anwendung von Steinkohle, mit einem 4 Fuß langen und 4 Fuß breiten Roste versehen. Die in diesem Raume entwickelte Flamme steigt durch die Oeffnungen der Ofensohle in die Geschirrkammer, verbreitet sich in derselben und entweicht vorzugsweise durch 4, 5 oder 6 Schornsteine von 2 1/2 bis 3 Fuß Höhe, welche auf dem die Geschirrkammer bedeckenden Gewölbe, und zwar in der Nähe der beiden Stirnseiten des Ofens, angebracht sind. Im Ofengewölbe selbst befinden sich ungefähr in Mannshöhe, sowohl auf den schmalen als den langen Seiten, gegen 24 bis 30 seitliche, unter circa 45° ansteigende, durch eiserne Schieber verschließbare Oeffnungen von ungefähr 1 Quadratfuß Querschnittsfläche, welche vorzugsweise zum Einwerfen des die Verglasung der Geschirroberfläche bewirkenden Salzes, nebenbei auch zur Controlirung und Regulirung des Feuers dienen. Um ferner das auf 8–9 Fuß Höhe aufgeschichtete Geschirr vor einem seitlichen Ausweichen nach der Längenrichtung des Ofens zu schützen, sind in einer Entfernung von 4–5 Fuß und etwa 2 Fuß unter dem Ofengewölbe einzelne Strebebogen von 20 bis 30 Quadratzoll Querschnittsfläche eingezogen, welche ihre Widerlager in den beiden längeren Seitenwänden der Geschirrkammer finden. Die Oefen stehen unter freiem Himmel, am zweckmäßigsten an einen Bergabhang angelehnt, da zwischen der Sohle der Eintragöffnung und dem Fußboden, auf welchem der Heizer steht, ein Niveauunterschied von 7–8 Fuß auftritt.

Man rechnet auf eine Scheibe durchschnittlich 4 Brände pro Jahr, so daß demnach ein Meister 8 oder 12 Brände jährlich machen kann, je nachdem er 2 oder 3 Scheiben im Betriebe hat. Der Verkaufswerth eines Brandes beträgt 350 bis 400 fl. Das Einsetzen des Geschirres erfordert 3 Tage, das Brennen selbst dauert 36 bis 40 Stunden, zum Abkühlen und Austragen sind noch 3 bis 4 Tage erforderlich, so daß mit Sicherheit nur zwei Brände während 3 Wochen gemacht werden können. Das Brennmaterial ist meistens Holz, theils weiches, theils hartes, und es werden zu jedem Brande 6 Klafter à 144 Kubikfuß zum Gesammtpreis von 150 fl. verbraucht. Die Anwendung von Steinkohle hat man auch vielfach versucht, scheint aber noch nicht zu einem sicheren Resultat gekommen zu seyn, da die Verwendung zu mannichfach auftritt, theils am Anfange, theils am Ende des Brandes, einmal mit 70 bis 80 Centner, ein andermal mit nur 20 Cntr. pro Brand. Die Meinungen sind getheilt, gehen aber allgemein dahin, daß der Werth des Brandes durch Anhängen von Flugasche um ziemlich eben so viel verringert werde, als die Ersparniß an Brennmaterial beträgt. Nach Beendigung des Brandes wird durch die oben erwähnten seitlichen Oeffnungen des Ofengewölbes ein Salzquantum von 2–3 Centnern eingeworfen, welches durch seine Verdampfung die glasige Oberfläche des Geschirres (Salzglasur) hervorbringt.

Die Anzahl der in Hörr vorhandenen Oefen ist nur etwa halb so groß, als die Anzahl der Werkstätten, und es müssen demnach die nicht mit Oefen versehenen Meister in fremden Oefen brennen, wobei sie für den Brand 7 Thaler oder 12 fl. 15 kr. zu zahlen haben. Dieser scheinbare hohe Ofenzins findet seine Rechtfertigung in den bedeutenden Anlage- und Unterhaltungskosten des Ofens. Es muß derselbe im Innern aus