Text-Bild-Ansicht Band 159

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und die mit wissenschaftlicher Schärfe ausgeführten Untersuchungen von Peclet über die Leitungsfähigkeit verschiedener Materialien lassen sich für den vorliegenden Fall bloß zur Vergleichung, nicht zur Bestimmung absoluter Werthe benutzen.

Als Beitrag zu dem, was auf diesem Felde noch zu thun ist, will ich hier eine Erfahrung mittheilen.

In einem Ofen wurden in 17 Stunden 1800 Pfd. Glas mit einem Aufwande von 0,9917 Pfd. Holz per 1 Pfd. Glas geschmolzen; in einem andern Ofen wurden 5000 Pfd. Glas in 18 Stunden mit einem Aufwand von 1,4111 Pfd. Holz per 1 Pfd. Glas geschmolzen, also mit einem Mehraufwand von 29,7 Proc., und doch war die Wärme transmittirende Wandfläche des ersten Ofens um 23 Proc. im Verhältniß zum Inhalte des Ofens größer, so daß der zweite Ofen nothwendig gegen den ersten eine wesentliche Ersparniß statt eines Mehrverbrauchs hätte geben sollen.

Der Eigenthümer des zweiten Ofens behauptete mit der größten Bestimmtheit, daß sein Glassatz nicht im geringsten strengflüssiger sey, als der im ersten Ofen angewandte, und es wurde daher von ihm die Erfüllung des Contractes bezüglich der in Aussicht gestellten Ersparniß bestritten.

Der Glassatz, welcher im ersten Ofen verwendet wurde, bestand aus:

100 reinem Sand
25 gepulvertem Kalkstein
12 1/2 Potasche
12 1/2 kohlensaurem Natron;

CaO, 3 SiO³ + NaO, 2 SiO³
+ KaO, SiO³.

derjenige des zweiten Ofens bestand aus:

100 Sand (eigentlich 125, wovon
1/5 kohlens. Kalk)
54 Kalkstein (wovon 25 in 125
Sand enthalten),
9 kohlensaurem Natron.

2 CaO, 3 SiO³
+ NaO, 3 SiO³.

Das Verhältniß des Sauerstoffs der Basen zu demjenigen der Kieselsäure war im ersten Satze 1 : 7, und im zweiten Satze 1 : 5. Hiernach sollte man allerdings vermuthen, daß dem ersten Satze eine geringere Schmelzbarkeit zukäme. Aber die Erfahrung im ersten Ofen mit einem Glassatze von 100 Sand, 18,5 Kalkstein und 14,6 Soda, dessen Sauerstoffverhältniß 1 : 6 ist, ergab schon eine sehr bedeutende Verlängerung der Schmelzzeit; ferner ist nach Plattner's Untersuchungen der Schmelzpunkt von Kalkschlacken um 100° höher als derjenige gewöhnlichen weißen