Text-Bild-Ansicht Band 144

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zu einer festen Masse (Silicat) gerinnen, weßhalb das Wasserglas in dieser Weise kaum zur Anwendung tauglich ist.

Diesem Mangel soll mein neues Verfahren abhelfen. Dasselbe besteht darin, daß die Körperfarben nicht mit Wasserglas, sondern bloß mit einer Mischung von gleichen Theilen Wasser und abgerahmter Milch abgerieben werden. (Mit bloßem Wasser abgerieben, würden sich die Farben zu leicht wegwischen.) Das 33grädige Wasserglas, mit 2 Theilen warmen Regenwassers verdünnt, so wie die auf angegebene Weise abgeriebene Farbe wird, jedes für sich, in der Art aufgestrichen, daß jedesmal zuerst Wasserglas, dann Farbe, auf diese wieder Wasserglas und so fort aufgetragen werden, daß also die Farbschichten immer zwischen zwei Wasserglasschichten kommen, und daß mit mehreren Wasserglasanstrichen geschlossen wird. Jeder Anstrich ist in 1/2 Stunde trocken genug, um einen neuen Anstrich zu vertragen, und es kann also von 1/2 Stunde zu 1/2 Stunde ein frischer Anstrich gegeben werden. Man wird hiernach begreifen, daß man nach dieser Methode eine Menge Anstriche oder große Flächen binnen einem Tag fertig machen und überdieß die Gegenstände gleich in Gebrauch nehmen kann, da auch der letzte Wasserglasanstrich in 1/2 Stunde trocknet, ohne jene Klebrigkeit zu hinterlassen, welche bei Oelanstrichen so unangenehm ist. Die Doppelanstriche müssen natürlich mehreremale wiederholt werden, bis die Farbe gehörig deckt.

Bei diesem Verfahren erleiden die erdigen und metallischen Farbkörper eben so gut die Metamorphose der Verkieselung, als wären sie direct mit Wasserglas angerieben worden.

Ein Theil des Wasserglases wird zersetzt, indem seine Kieselsäure mit der Basis des Farbkörpers ein hartes Silicat bildet, während Alkali frei gemacht wird; ein anderer Theil des Wasserglases aber bleibt unzersetzt und verbindet die aufgetragenen Schichten zu einer einzigen.

Diese Anstriche werden sehr schön, wenn sie geschliffen und dann mit Oel polirt werden; es ist aber hierzu nöthig, die Anstriche öfter zu wiederholen, damit man nicht zu leicht durchschleift. Das Poliren mit Oel hat noch den Vortheil, daß das freie Alkali durch das Oel an der Oberfläche verseift und weggenommen wird, wodurch zeitweilige Auswitterungen, wenn das Alkali Natron ist, vermindert oder verhindert werden, wiewohl das Natron, wenn die Gegenstände im Freien sind, vom Regen weggewaschen wird.

Die großen Vortheile der Wasserglasanstriche sind in die Augen fallend; sie bestehen nämlich:

  • 1) in der Schnelligkeit, da jede halbe Stunde ein frischer Anstrich gegeben werden kann;