Text-Bild-Ansicht Band 144

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  • 2) in der Geruchlosigkeit, der lästige Firnißgeruch fällt weg;
  • 3) in der Reinheit des Farbentones. Das Nachgilben, Nachdunkeln der Farben, besonders der weißen durch Desoxydation der Metalloxyde, ist hier nicht möglich;
  • 4) in der Dauerhaftigkeit, worin die Oelanstriche den Wasserglasanstrichen weit nachstehen. Oel und Theer sind, als organische Körper, vergänglich, verweslich; die Substanz des Wasserglases nebst den Basen der Farben, welche man mit ihr verbindet, gehört dem Mineralreiche an. Ein Theeranstrich verzehrt sich z.B. nach und nach binnen einem Jahre im Freien, und schützt dann nicht mehr, wenn der Anstrich nicht erneuert wird. Lassen wir einen Firnißanstrich im Freien zwei Jahre ausdauern, so wird sich bis dahin das fette Bindemittel so verzehrt haben, daß man das Bleiweiß, womit der Firniß aufgetragen wurde, mit dem Finger wegwischen kann;
  • 5) in der Feuerbeständigkeit. Während ein Oelanstrich die Feuergefährlichkeit des Holzes etc. vermehrt, ist beim Wasserglasanstrich gerade das Gegentheil der Fall;
  • 6) in der Wohlfeilheit der Wasserglasanstriche gegen Firnißanstriche. Wenn das Pfund Wasserglas 18 kr. kostet, so bekommt man durch vorschriftsgemäße Verdünnung drei Pfund Anstrichwasserglas à 6 kr. das Pfund. Die verdünnte Milch zum Abreiben der Körperfarbe ist bezüglich des Preises nicht der Rede werth.

Praktische Vortheile beim Anstreichen. Das verdünnte Wasserglas läßt sich natürlich ganz leicht mit dem Pinsel gleichmäßig auftragen. Nicht so leicht ist das Auftragen des Farbebreies. Die Farben, besonders Blei- und Zinkweiß, dürfen nicht zu dick angerieben werden, und das Auftragen muß so rasch und gleichmäßig als möglich geschehen, weil die Farbmasse (von der vorausgegangenen Wasserglasschichte) bald aufgesogen wird, und die Stellen, welche schon angezogen haben, sich schieben oder doppelte Schichten bilden, wenn man sich verspätet sie mit dem Pinsel auszugleichen. Solche ungleiche Schichten blättern sich gerne ab, wenn sie nachher mit Wasserglas überstrichen worden sind, während die gleichmäßig aufgetragenen Stellen ganz tadellos bleiben. Man hat sich also zum Auftragen der Farbmasse einige Fertigkeit anzueignen.

Geeignete Farben sind für Gelb: chromsaurer Baryt (etwas blaß), Neapelgelb (dunkler); für Blau: Smalte, Ultramarin; für Grün: die Mischung von Gelb und Blau (nicht schön), grüner Ultramarin (blaugrün) und Schweinfurtergrün; für Orange: das gewöhnliche Chromgelb (chromsaures Bleioxyd), auch die hellgelbe Sorte gibt auf Wasserglas