Text-Bild-Ansicht Band 144

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Mein Verfahren ist folgendes: 1/2 Pfd. rohe, in kleine Stücke zerschnittene Gutta-percha übergieße ich mit 10 Pfd. Chloroform und lasse das Ganze in einer geeigneten, durch Kork verschließbaren Flasche bei gewöhnlicher Temperatur, unter öfterem Umschütteln, 2 bis 3 Tage hindurch stehen; die Lösung ist dann vollständig erfolgt. Zu dieser Lösung nun setze ich etwa 2 Unzen Wasser, schüttle von neuem tüchtig durcheinander und überlasse die Flüssigkeit der Ruhe. Nach zwei Wochen ist eine vollständige gleichsam umgekehrte Sedimentation vor sich gegangen; die Verunreinigungen der Gutta-percha schwimmen jetzt in einer scharf abgegränzten, schleimigen Schicht oben, während sich darunter die klare Lösung der Gutta-percha befindet; sehr geringe Quantitäten Sand haben sich auf dem Boden der Flasche abgelagert.

Die klare Lösung pflege ich vermittelst eines Hebers, den ich, der Beweglichkeit halber, aus mehreren kleinen Glasröhren durch vulcanisirte Kautschukröhren zusammensetze, aus der Flasche zu ziehen. Da jedoch kleine Quantitäten der abgeschiedenen braunen Substanz ganz bedeutende Massen reiner Gutta-percha bräunlich zu färben vermögen, so unterwerfe ich die abgezogene Flüssigkeit, der Sicherheit halber, noch der Filtration, die nun sehr rasch und leicht von statten geht. Die filtrirte Lösung ist jetzt vollkommen klar und von weingelber Farbe.

Die Abscheidung der Gutta-percha aus ihrer Lösung geschieht durch Destillation; ich bediene mich dazu einer gewöhnlichen kupfernen Destillirblase, die eine so große Oeffnung hat, daß ich die 10 Pfd. schwere Gutta-percha-Lösung in einem irdenen, innen gut glasirten Napf, ohne Schwierigkeit in die Blase, und dort auf einige Ziegelsteine stellen kann. In den Napf wird außerdem noch etwas Wasser gegossen, so daß die Gutta-percha-Lösung einige Linien hoch davon bedeckt ist, und in der Blase selbst muß so viel Wasser zugegen seyn, daß der Boden des Napfes davon berührt wird.

Die Destillation hält man anfangs mäßig, nachher aber, sobald die größte Menge Chloroform übergegangen, verstärkt man das Feuer bis zum Kochen des Wassers. Nach beendeter Destillation bildet die gereinigte Gutta-percha eine weiche, blasige Masse die durch abwechselndes Malaxiren und Erwärmen in kochendem Wasser zu einem recht gleichmäßigen Aussehen gebracht und dann auf einem sehr reinen Bret, am besten in dünnen Stängelchen, aufgerollt wird. Nach vollständigem Erstarren erscheinen diese weiß mit einem kleinen Stich ins Bräunliche.

Vollkommen farblos kann man die Gutta-percha, nach meinen Erfahrungen, nur dadurch erhalten, daß man die weingelbe ursprüngliche