Text-Bild-Ansicht Band 144

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Lösung mit gepulverter Knochenkohle behandelt;81) doch hat diese Operation bei so concentrirten Lösungen ihre Schwierigkeiten, weil die nöthig werdende Filtration wiederum sehr langsam vor sich geht, und weil auch nicht die geringste Spur der Kohle durch das Filter gehen darf, wenn nicht die feste Gutta-percha grau gefärbt erscheinen soll.

Macerirt man die bräunlichen Gutta-percha-Stangen mit starkem Alkohol oder Aether, so werden sie schon nach kurzer Zeit so weiß, wie das schönste Elfenbein, indem zugleich ihre Härte bedeutend zunimmt; die Flüssigkeit färbt sich dabei gelblich, das Fluavil Payen's 82), auch setzt sich nach und nach ein weißer pulverförmiger, zuweilen krystallinisch körniger Niederschlag (das Alban Payen's) ab.

Diese Entfärbung ist jedoch nur scheinbar, man mag die Gutta-percha auch noch so lange mit dem Alkohol in Berührung lassen, denn erwärmt man die Stangen, so zeigen sie beim Zusammenkneten fast denselben Stich in das Bräunliche, wie vorher. Das Weißwerden durch Alkohol beruht hauptsächlich darauf, daß sich jenes weiße Alban zum Theil auch in der Gutta-percha selbst niederschlägt, denn keineswegs bestehen die Gutta-percha-Stangen aus einer vollkommen zusammengeflossenen Masse, sondern, wie schon der bloße Augenschein beim Zerreißen einer Stange der Länge nach lehrt, aus sehr zarten Fasern und mehr oder weniger bedeutenden Poren. Man kann aber auch die Gutta-percha als nicht poröse, faserlose Substanz erhalten, wenn man sie für sich längere Zeit hindurch erhitzt; sie erscheint dann, in dünnen Lagen wenigstens, klar und durchsichtig.

Bemerkenswerth ist noch, daß kleine Quantitäten Chloroform sowohl, wie Alkohol, mit großer Hartnäckigkeit von der Gutta-percha zurückgehalten werden, und daß diese, wenn nicht auf ein Minimum zurückgeführt, ein Brüchigwerden der Gutta-percha zu veranlassen scheinen.

Das Färben der Gutta-percha ergibt sich aus dem zu Anfange Gesagten von selbst; wie in der dunkelbraunen Lösung der rohen Gutta-percha der färbende Stoff hauptsächlich nur suspendirt enthalten ist, so hat man beim künstlichen Färben die Farbstoffe nur in einen solchen Zustand zu bringen, daß sie ebenfalls lange suspendirt zu bleiben vermögen.

Zur Darstellung der rothen Sorte verreibe ich demnach Carmin – 1/2 Gran auf jede Unze der in Arbeit genommenen rohen Gutta-percha

81)

Mehrmals habe ich jedoch rohe Gutta-percha unter meinen Händen gehabt, die den in Chloroform löslichen braunen Farbstoff nicht, oder wenigstens in sehr geringer Menge enthielt.

82)

Man vergl. Payen's Abhandlung über die Gutta-percha im polytechn. Journal Bd. CXXVI S. 115.