Text-Bild-Ansicht Band 142

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bei Durchführung dieses Systems in allen mechanischen Werkstätten es leicht möglich ist, sich mit großer Bequemlichkeit Ersatzstücke für Schrauben, die aus irgend einer Werkstatt hervorgegangen sind, zu verschaffen.

In Frankreich wurde ein auf das metrische Maaß berechnetes Schraubensystem eingeführt.

Die von Whitworth ausgeführten Patentleitungskluppen sind sehr zweckmäßige Vorrichtungen zum Schraubenschneiden mit Kluppen; sie verdanken den Namen der Leitungskluppen dem Umstande, daß sie Schrauben erzeugen, welche weit vorzüglicher als die mit gewöhnlichen Kluppen geschnittenen, und den auf Drehbänken mit Leitschraube erzeugten fast gleich sind. Die drei in die Kluppe eingesetzten Schneidbacken, von denen zwei durch eine Keil- und Schraubenstellung in ihrer Lage gegen den dritten verändert werden können, sind so eingerichtet, daß sie die vertieften Schraubengänge ausschneiden und nicht eindrücken; der zu ihrer Herstellung dienende Gewindbohrer ist zu dem Ende um die doppelte Tiefe des Gewindes im Durchmesser größer als der zugehörige Schraubenbohrer, und sie erhalten an den schneidenden Kanten eine solche Zuschärfung, daß sie wie die Drehstähle auf der Drehbank arbeiten. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1856)

Verordnung gegen den Schleifstaub.

In den Schleifereien der Eisenwerke entwickelt sich von den Schleifsteinen ein feiner Staub, welcher höchst gefährlich auf die Lungen der Arbeiter einwirkt. Erfahrungsmäßig erkranken diese Arbeiter nach wenigen Jahren anhaltender Beschäftigung in der Schleiferii an der Lungenschwindsucht, und es ist daher von hohem Interesse, Vorrichtungen kennen zu lernen, durch welche die Arbeiter vor dem Einathmen des Schleifstaubes gehörig geschützt werden. Nach einer Mittheilung des königl. Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten (in Preußen) hat sich in dieser Beziehung ein Ventilationssystem vorzüglich bewährt, welches in den Quincaillerie-Fabriken von Peugeot zu Herimoncourt in Frankreich eingeführt ist,49) und nach dessen Muster jetzt eine ähnliche Einrichtung in der Schleiferei der königl. Eisengießerei in Gleiwitz getroffen wird.

Das Wesentliche dieses Systems besteht in Folgendem: Die Schleifsteine, welche übrigens auf nassem Wege arbeiten, sind in zwei mit der großen Achse der Werkstätte parallel laufenden Reiben aufgestellt, und senken sich zu einem Drittel ihres Durchmessers in einen Unterbau unter dem Boden der Werkstätte ein. Aus diesen Unterbauten führt von jedem Schleifsteine ein in Ziegeln gemauerter, mit eichenen Bohlen und darüber festgestampfter Erde bedeckter Canal zu einem in gleicher Weise unter der Sohle der Werkstätte fortgeleiteten Hauptcanale, in welchen die sämmtlichen Seitencanäle mit einer angemessenen Curve münden. Der Hauptcanal gabelt hinter den letzten Schleifsteinen in zwei Seitenarme aus, welche unter der Umfassungsmauer der Werkstätte durchgeführt sind, und außerhalb derselben an einem dort aufgestellten Ventilator wieder zusammenkommen. Jeder Seitenarm mündet in ein aufrecht stehendes eisernes Rohr, und diese beiden Röhren sind in einem Viertelkreisbügel durch die beiden Seitenwangen des Ventilators geleitet. Zwischen den Seitenwangen bewegt sich das Rad des Ventilators, mit einer Geschwindigkeit von 1000 bis 1200 Umdrehungen in der Minute, wirkt dadurch wie eine Luftpumpe auf die mit Staub erfüllten unterirdischen Canäle und schleudert die angesogene Staubluft in der Richtung seiner Tangenten ins Freie. Auf diese Weise wird der Schleifstaub vollständig fortgenommen, besonders wenn man nicht gleich alle Schleifsteine zusammen in Bewegung setzt, sondern mit einem einzigen beginnt, damit unter diesem das Ansaugen vor sich geht, während einstweilen die Kammern der übrigen Steine von den unterirdischen Seitencanälen durch Schützen abgeschlossen bleiben.

49)

Man vergl. Morin's Bericht über Peugeot's Ventilirsystem im polytechn. Journal, 1847, Bd. CV S. 408.