Text-Bild-Ansicht Band 142

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interessanten Vergiftungsproceß Dombrowsky – einer cause celèbre, die in den neuen Pitaval aufgenommen ist – wurde die chemische Untersuchung der Stelle eines eisernen Ofens beantragt und ausgeführt, auf welcher ein Glas zersprungen, worin sich ein Trank aus Sagoschleim und Rothwein befunden hatte. Es war sicher entscheidend über Leben und Tod, ob Arsen auf der Stelle nachgewiesen wurde oder nicht.

Zwischen der Untersuchung und dem Ereignisse lagen drei Monate, während welcher Zeit der Ofen öfters geheizt worden war, und überdem war derselbe, nachdem das Glas zersprungen, von Dombrowsky mit Papier abgewischt worden. Es zeigte sich auf der Stelle des Ofens, wo das Glas gestanden, ein starker Rostflecken, und es gelang leicht, mittelst eines Messers etwa eine halbe Messerspitze voll des Rostes abzukratzen und mittelst einer Federfahne auf Papier zu fegen. Der eine der chemischen Sachverständigen begann sogleich an Ort und Stelle die Untersuchung des Rostes durch das Löthrohr. Es konnte keine Spur eines arsenikalischen Geruchs wahrgenommen werden. Auf meine Aeußerung, den Rost in der Apotheke auf andere Weise untersuchen zu wollen, wurde mir erwiedert: wenn sich Arsen nicht vor dem Löthrohr zu erkennen gebe, werde es auch nicht auf andere Weise zu erkennen seyn. Glücklicherweise ließ ich mich aber nicht einschüchtern. Der Rost wurde mit Kalilauge ausgekocht, der Auszug mit Schwefelsäure angesäuert und in den Apparat von Marsh gebracht. Es resultirten die schönsten Arsenspiegel.

Das Nachweisen des Arsens auf dem Ofen brachte nun vollkommene Klarheit in den ganzen Verlauf der Vergiftung, während vorher in der langen Kette von Indicien ein Glied fehlte. Die Untersuchung hatte nämlich bis zur moralischen Gewißheit dargethan, daß Dombrowsky seiner Frau an einem Montage Fliegenstein auf Leberwurst gegeben. Die Frau war heftig erkrankt, von dem Arzte als am Magen leidend behandelt und am Freitage, als Reconvalescent mit der Bestimmung entlassen worden, sie möge zur Stärkung Sagoschleim mit Rothwein trinken. Am Sonnabend starb die Frau. In dem Magen wurden beträchtliche Mengen Fliegenstein gefunden und in den Taschen von Dombrowsky's Schlafrocke fanden sich Spuren desselben fein gepulverten Fliegensteins. Unmöglich konnte aber wohl das in dem Körper gefundene Gift von dem am Montage gegebenen herrühren, seit dem Montage in dem Körper geblieben seyn! Die Frau mußte in der Nacht vom Freitage zum Sonnabende nochmals Arsenik erhalten haben. Die oben mitgetheilte Untersuchung bewies dieß mit aller Bestimmtheit. Die Frau hatte in der Nacht von dem Sagoschleime getrunken, den der Mann selbst bereitet; es war