Text-Bild-Ansicht Band 142

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erhält man mehr oder weniger rein die blaue Färbung, welche Morphin anzeigt. – Ein Körnchen wird mit einigen Tropfen concentrirter Salpetersäure vermischt; violette Färbung deutet auf Colchicin. – Brucin (aus Krähenaugen) färbt mäßig concentrirte Salpetersäure roth; gibt man dann mittelst eines Glasstabes Zinnchlorürlösung hinzu, so entsteht eine prächtig blaue oder violette Färbung. – Concentrirte Schwefelsäure, der eine Spur Salpetersäure zugesetzt ist, färbt sich beim Erwärmen mit Narcotin dunkelroth. Außerdem ist das Narcotin durch die Unlöslichkeit in essigsäurehaltigem Wasser wohl charakterisirt.

Ist das Alkaloïd erkannt worden, so macht man nun mit dem übrigen Rückstande im Schälchen die übrigen Reactionen, löst ihn z.B. in Wasser, dem eine Spur Schwefelsäure oder Salzsäure zugesetzt worden, und prüft diese Lösung mit Gerbestoff, Goldchlorid, Platinchlorid, Rhodankalium u.s.w.

Reicht die Menge des Alkaloïds aus, um damit Versuche an Thieren anzustellen, so kann dieß geschehen. So soll man in dem Processe Dove mit dem im Magen der vergifteten Person aufgefundenen Strychnin mehrere Thiere haben vergiften können.

Die flüchtigen Alkaloïde Coniin und Nicotin werden an dem flüssigen Zustande und dem Geruche erkannt. Der durchdringende, widrige Geruch des Coniins unterscheidet dieß Alkaloïd auch von dem Nicotin, das überdem in Wasser ziemlich leicht löslich ist, während das Coniin nur wenig gelöst wird. Der Geruch beider Alkaloïde verschwindet beim Neutralisiren mit einer Säure, z.B. Oralsäure, und Aetzkali ruft ihn wieder hervor.

In Bezug auf die bekannte Strychninreaction will ich bemerken, daß zur Hervorrufung derselben in meinem Laboratorium doch am liebsten das rothe chromsaure Kali genommen wird. Weder das von Marchand zuerst empfohlene Bleisuperoxyd, noch das von Davy vorgeschlagene rothe Blutlaugensalz haben sich Eingang verschaffen können. Es ist dringend erforderlich, eine der Menge des Alkaloïds entsprechende Menge des Chromsäuresalzes zu nehmen, um die Reaction sicher zu erhalten, und man erreicht dieß am besten durch Anwendung eines Stückes des Salzes, nicht des gepulverten Salzes oder einer Lösung. Nachdem man das Alkaloïd in einem Porzellanschälchen in Schwefelsäure gelöst und die Lösung über das Porzellan ausgebreitet hat, bringt man ein Stückchen chromsaures Kali hinzu. Beim Neigen des Schälchens fließen dann von dem Salze violette Streifen ab, und wenn man das Salz mit dem Glasstabe hin und her schiebt, erhält man bald die ganze Flüssigkeit prächtig violett. Ein einziger Tropfen der Aetherlösung des Alkaloïds hinterläßt