Text-Bild-Ansicht Band 141

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Es scheint mir aber, als seyen die Vortheile der Rauchverbrennung bei Weitem noch nicht genügend hervorgehoben. Auf dem niedrigsten Standpunkte befinden sich offenbar die Legislatoren Englands, welche es nur für räthlich hallen, die Unannehmlichkeiten zu beseitigen.“ Diesen gegenüber hebt nun Gall hauptsächlich den Brennstoffgewinn, welchen die Rauchverbrennung herbeiführt, hervor. Ein weiterer Vortheil besteht bekanntlich darin, daß die vom Rauch am Kesselboden abgelagerten Krusten von Ruß, welche einen schlechten Wärmeleiter bilden und den Heizeffect schwächen, unmöglich gemacht werden. Was mir aber – bei der beständigen Zunahme der für die Zwecke der Industrie fortrauchenden Schornsteine – als wichtigster Grund für die Notwendigkeit der Rauchverbrennung erscheint, ist der Umstand, daß jener als Rauch unbenutzt fortgehende Kohlenstoff überhaupt für längere Zeit dem Kreislauf der Stoffe entzogen ist. Der Kohlenstoff der Kohlensäure bildet ein Pflanzennahrungsmittel – der Kohlenstoff im Ruß bildet es nicht (der Düngungswerth des Rußes beruht bloß in seinem Ammoniakgehalt). Offenbar müßten hierdurch Ausfälle in dieser Nahrungsquelle der Pflanzen entstehen, wenn sie nicht durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe ausgeglichen werden. Noch mehr aber – der im Rauch niedergeschlagene Kohlenstoff geht für eine ewig lange Zeit als Brennstoff verloren. Er zerstreut sich auf den Feldern, die ihn nicht gebrauchen können und die nur aus Kohlensäure wiederum Brennstoff oder Brod machen. Die Rauchverbrennung bietet deßhalb auch eins von den Mitteln, um dem „Hungern und Frieren“ entgegen zu treten.

Nach diesen, wie ich glaube, nicht überflüssigen Erörterungen treten wir nun zunächst an das Princip der Rauchverbrennung überhaupt. Und das setzt die Erkenntniß der Ursachen des Rauchens voraus.

Wenn einer unserer Brennstoffe (abgesehen von Holzkohlen und Kohks) zum Heizen benutzt wird, so unterliegt er im ersten Stadium seiner Veränderung der sogenannten trocknen Destillation. Die Producte derselben sind sämmtlich brennbar und verbrennen bei hinreichendem Zutritt von Sauerstoff zu Wasser und Kohlensäure. Diese gerade hinreichende Sauerstoffportion ist in der Regel nicht vorhanden. Entweder fehlt es überhaupt daran, und dann tritt bei den meisten Producten der trocknen Destillation eine weitere Zersetzung bei der vorhandenen Glühhitze ein, wobei fein zertheilter Kohlenstoff ausgeschieden wird und sich als Rauch kenntlich macht; oder es tritt zu viel kalte Luft in den Ofen, wodurch der Heizraum unter jene Temperatur herabgedrückt wird, welche die vollständige Verbrennung des Kohlenstoffs