Text-Bild-Ansicht Band 140

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und der Wärme, welcher durch diese Lockerung veranlaßt wird, erstreckt sich auf die jungen Pflanzen und bewirkt große Fortschritte im Wachsthum derselben.

Einige Zeit nachher werden die Reihen durch Taglöhner mit der Handhaue gehackt, worauf später das Auslichten vorgenommen wird, was mit Leichtigkeit geschieht, indem die schönste Pflanze mit der einen Hand beschützt, und alle andern mit der andern Hand ausgezogen werden.

Nach dem Auslichten wird noch mehrmals der Untergrundpflug zur Lockerung und Reinigung des Raums zwischen den Linien und die Handhacke zur Nachhülfe in den Linien angewendet, bis die Pflanzen so weit erstarkt sind, daß sie den Boden beschatten. Der Untergrundpflug muß immer tiefer gerichtet werden, je mehr die Pflanzen erstarken. Den Schluß der Arbeiten während der Vegetationsperiode bildet das Behäufeln, welches mit dem Häufelpflug verrichtet werden kann, indem durch die Anwendung des Wühlpfluges die Kämme verschwinden, die Oberfläche des Feldes also wieder eben geworden ist.

Durch dieses System bietet man der Rübe alle Mittel die höchste Entwicklung, deren sie fähig ist, zu erreichen und zugleich ihren Zuckerreichthum zu vermehren.

1) Durch die Anfertigung von Kämmen vermehrt man die Tiefe der Ackerkrume an derjenigen Stelle, auf welcher die Pflanze wächst. Dieser Punkt ist hauptsächlich da von Wichtigkeit, wo die Krume seicht oder naß ist.

2) Der außerhalb der Erde wachsende Theil der Pflanze befindet sich auf einer Höhe und hat auf beiden Seiten Vertiefungen, welche eine fortwährende Erneuerung der Luft bewirken. Es folgt hieraus, daß die Pflanze besser den wohlthätigen Einfluß des Lichts und der befruchtenden Gasarten, welche in der Atmosphäre sich befinden, sich zu Nutzen machen kann.

3) Diese Methode ist mehr, als jede andere, für alle Arten von Bodenverhältnissen geeignet. In steinigem Boden z.B. ist die Anwendung der Säemaschine und der Pferdehacke häufig sehr schwierig. In feuchtem Boden kann sich die Rübe des überflüssigen Wassers schneller durch die nebenliegenden Furchen und durch die größere Oberfläche, welche dem abtrocknenden Einfluß der Sonne und des Windes ausgesetzt ist, entledigen.

4) Durch dieses System wird die reine Brache nachgeahmt, indem Reinigung, Lockerung, Zerkrümelung des Bodens dadurch erzielt wird, daß eine größere Oberfläche des Bodens den atmosphärischen Einflüssen ausgesetzt wird.

5) Das Ausziehen der Wurzeln ist leichter.

6) Die Bearbeitung während der Vegetation ist weniger kostspielig und kann namentlich leichter bei feuchtem Wetter ausgeführt werden.“

Soweit der Artikel des Hrn. v. Decrombecque. Bei Aufzählung der verschiedenen wesentlichen Vortheile, welche der Bau der Rüben auf Kämmen bietet, hat er einen für viele Landwirthe wichtigen Punkt vergessen, nämlich die Ersparniß von Dung. Hr. v. Decrombecque weiß freilich nichts von Dungmangel. Meine eigenen Erfahrungen stimmen mit denen vieler Landwirthe, welche den Rübenbau im Großen treiben, darin überein, daß das stellenweise Einlegen des Samens große Vortheile im Vergleich mit der Reihensaat hat, und ich habe deßwegen auch, wie manche andere, eine ganze Sammlung der neuesten Säemaschinen unter dem Schuppen stehen lassen und den Rübensamen mit der Hand eingelegt, bis endlich die Pflanzmaschine des Hrn. H. Ledocte bekannt wurde. Was das Anlegen der Kämme betrifft, so mußte diese Methode trotz ihrer Vorzüge in Abnahme kommen, weil das für den Zuckerreichthum nöthige Häufeln nicht ausgeführt werden konnte. Durch die Anwendung des Wühlpfluges ist nun aber dieses Hinderniß beseitigt, und es wird daher das Decrombecque'sche System jedem praktischen Landwirth einleuchten.

Heilbronn.

F. Bertrand.

(Württemberg. Wochenblatt für Landwirthschaft, 1856, Nr. 18.)