Text-Bild-Ansicht Band 140

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nach meinen Erfahrungen beste Verfahren beim Schmelzen, also bei der eigentlichen Cyanbildung, mit Weglassung alles Bekannten und Unwesentlichen zu beschreiben.

Was die Einrichtung des Ofens betrifft, so hat man bekanntlich jetzt ganz allgemein horizontale Flammöfen87) eingeführt, auf deren Sohle eine ovale gußeiserne Schale von 4 bis 5 Zoll Tiefe, 5 Fuß Länge, 4 Fuß Breite und 4 Zoll Eisenstärke eingesenkt ist. Bei der Construction desselben hat man darauf zu achten, daß der innere Ofenraum (Arbeitsraum) nicht größer als zur bequemen Handthierung nöthig und das Gewölbe möglichst flach sey. Die Füchse würde ich außerdem mit Schiebern versehen, so daß die Flamme gezwungen werden kann zum Arbeitsloche heraus zu schlagen, über welches dann (ähnlich wie bei den Glasöfen) ein Fang, der in einen kleinen Schornstein mündet, angebracht wird. Hat letzterer genügenden Zug, so werden die Arbeiter durch die ausströmenden Gase nicht belästigt, im Gegentheile weniger von der Hitze zu leiden haben. Das Hauptaugenmerk ist auf die Feuerung selbst zu richten, und zwar mache ich auf die ganz besonderen Vortheile der Gasfeuerung für diesen Zweck aufmerksam. Durch einen zweckmäßig eingerichteten Gasofen, dessen nähere Beschreibung hier überflüssig ist, da dieselben jetzt schon in vielen hüttenmännischen Etablissements eingeführt sind, würde, außer den allgemeinen Vortheilen dieser Feuerung, einmal die oxydirende Einwirkung der Flamme ganz vermieden, ja sogar nach Umständen in eine reducirende umgewandelt werden können, und sodann die Flugasche ganz wegfallen (?). Wie bedeutend die Menge der letzteren (wenigstens bei einem gut ziehenden Flammofen, wie er doch erforderlich) ist, hat gewiß schon jeder Fabrikant beim Anfeuern einer neuen Schale bemerkt; nach 24 Stunden hat sich so viel Asche gesammelt, daß sie mit der Krücke entfernt werden kann. Die absolute Schädlichkeit derselben, wenigstens bei Torf und Steinkohlen, ist anerkannt.

Für den Betrieb eines solchen Ofens nun schlage ich ein combinirtes Verfahren vor, wie solches schon zum Theil in einigen Fabriken angewendet

87)

Dieselben haben, neben manchen Nachtheilen, drei sehr gewichtige Vortheile: 1) bedeutendes Ersparniß an Brennmaterial; 2) raschere und leichtere Arbeit (wo man sonst 4 Schmelzen täglich machte, macht man mit offenen Schalen 7 bis 8 mit der doppelten Masse); 3) längere Dauer und geringere Kosten derselben. In England, bei billigerem Brennmateriale und Eisenpreisen, dagegen theureren Arbeitslöhnen, wendet man noch jetzt verschlossene Schmelzgefäße von der Form eines Eies mit abgeschnittener Spitze an, welche die Ersetzung des Schmelzers durch einen mechanischen Rührer gestatten. Man kann dann nur verkohlte Substanzen anwenden, und muß die Kohle gleich mit der Potasche mischen, was am besten in Rollfässern geschieht.