Text-Bild-Ansicht Band 140

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Arbeit zu nehmen; übrigens bin ich weit entfernt, diese Zahlen als die einzig richtigen hinstellen zu wollen, und der Fabrikant wird dabei nach den Verhältnissen verschiedene Abänderungen ohne Nachtheil anbringen können. Ich habe viele Versuche angestellt, um das absolut beste Verhältniß, mit Berücksichtigung des Stickstoffgehaltes der Rohmaterialien zu ergründen, habe mich aber überzeugt, daß das Resultat zu sehr von andern oft unerklärlichen Ursachen abhängt, als daß die Einwirkung derartiger Abänderungen mit Bestimmtheit zu ergründen wäre. Ueberhaupt möchte ich dem Fabrikanten, der einen umsichtigen und zuverlässigen Schmelzer hat, rathen, demselben etwas freie Hand zu lassen; solche Leute erkennen den Punkt, wo die Schmelze die rechte Reife hat und das Eintragen aufhören muß, gewiß sicherer als irgend ein Chemiker; auch wissen dieselben bei Anwendung verschiedenartiger Rohmaterialien dieselben nach ihren verschiedenen Eigenschaften beim Schmelzen zweckmäßig zu vertheilen. Es machen z.B. Haare und Leder die Schmelzung sehr leicht trocken und krümlich, während Flechsen, weniger Lumpen, einen dünnen Fluß und leichte Arbeit befördern. Obwohl es eigentlich selbstverständlich ist, möchte ich doch nochmals dringend darauf hinweisen, daß der Werth der Rohmaterialien nicht in directem Verhältnisse von ihrem Stickstoffgehalte abhängt, sondern daß ein Material von doppeltem Stickstoffgehalte weit über noch einmal so viel werth ist, da es natürlich sehr wichtig ist mit demselben Verluste an Potasche, demselben Arbeits- und Brennmaterial-Aufwande, also mit einer Operation möglichst viel Blutlaugensalz zu erzeugen.89) Die Anwendung von sogenannten Schlappen (altem Schuhwerke) möchte ich nur auf die größte Nothwendigkeit beschränkt wissen; ich habe selbst solches sorgfältigst waschen lassen und mich überzeugt, welche Massen Sand und dergleichen trotzdem in den Absätzen zwischen den zerrissenen Sohlen etc. sitzen bleiben. Eine Hauptsache ist jedenfalls ein sehr regelmäßiges und fleißiges, aber nicht stürmisches Durchkrücken.

Was nun schließlich den Zuschlag von Eisen betrifft, so hat man hierüber schon sehr viel unnütze Worte verloren; oft wird ein gewisser Werth darauf gelegt dasselbe zu bestimmten Zeiten anzuwenden, andere haben wieder behauptet, es wirke nachtheilig u.s.w. Jedenfalls steht fest, daß keine Mehrausbeute durch Eisenzuschlag, dagegen allerdings eine Schonung der Schmelzkessel dadurch erzielt wird. Nach Fleck's Versuchen

89)

Unter dem Titel: „Neues und vortheilhaftes Verfahren zur Bereitung des blausauren Eisen-Kalis“ ist ein Werkchen von Chr. Fr. Salzer, badenschen Staatschemiker, erschienen, dessen Geheimniß eben die Anwendung gereinigter Rohmaterialien ist. Ob aber die von Salzer vorgeschlagenen Reinigungsmethoden der thierischen Stoffe den Beifall der Praktiker finden, möchte ich dahingestellt seyn lassen.