Text-Bild-Ansicht Band 140

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Das erste Princip, auf welches von verschiedenen Seiten ein Verfahren zur Darstellung des Blutlaugensalzes begründet wurde, beruht auf der Verwerthung des bei der Verkohlung entweichenden Ammoniaks, indem man dasselbe mit schmelzender Potasche und Kohle in Berührung bringt, also auf der bereits besprochenen zweiten Bildungsweise des Cyans. Die ersten Versuche wurden von Desfosses (siehe polytechn. Journal Bd. XXVIII S. 473) veröffentlicht, der aber zugleich die ganz richtige Bemerkung macht, daß das Verfahren im Großen unausführbar sey, indem das Gemenge von Kohle und Potasche bei der zur Cyanbildung nöthigen Temperatur immer eine angehende Schmelzung, vorzüglich auf der Oberfläche erleide, und dann das Innere nicht mehr genügend von dem Ammoniak durchdrungen werbe. Gleichwohl, und wie es scheint unbekannt mit der erwähnten früheren Mittheilung, beschreibt Berry (polytechn. Journal Bd. LXXXIV S. 361) ein auf dasselbe Princip begründetes Verfahren, wobei er sich verticaler gußeiserner Röhren bedient. Abgesehen von der eigenthümlichen Beschickung derselben (20 Potasche, 10 Salpeter, 20 Eisen, 45 bis 50 Kohle), dem durchaus zu verwerfenden Salpeter und einem ganz unnütz hohen Eisenzusatze, dürfte das Verfahren dadurch schon ganz unausführbar seyn, daß sich die Zu- und Ableitungsröhren des Gases jedenfalls verstopfen würden. Bei Anwendung horizontaler Röhren würde sich dagegen durch das Zusammensintern der Masse über derselben eine Gasse bilden, durch welche die Gase frei streichen würden. Eine andere Mittheilung (ein in England patentirtes Verfahren) finden wir im polytechn. Journal Bd. CII S. 157. Der Patentträger erwähnt die Mängel der beiden genannten Anordnungsweisen und sucht dieselben dadurch zu beseitigen, daß er drei Kessel nach Art Woolf'scher Flaschen verbindet, in denselben ein Gemenge von 100 Potasche mit 30 Kohle flüssig macht und die Gase durch dasselbe streichen läßt. Ich halte diese Anordnung für die unausführbarste; es dürfte nämlich: 1) sehr schwierig seyn, die Masse immer auf dem erforderlichen Grad von Dünnflüssigkeit zu erhalten; 2) sehr leicht ein Verstopfen der Röhrenleitungen eintreten, die durch die durchströmenden Gase immer abgekühlt werden, und endlich 3) bei dem sehr großen Drucke, dem die Gase hierbei ausgesetzt werden, und bei der sehr hohen Temperatur, die vielen Röhrenverbindungen, vorzüglich die großen Oeffnungen zum Entleeren und Beschicken, nicht gasdicht zu erhalten. Endlich hat noch G. Jacquemyns vorgeschlagen, die Gase von der Knochenverkohlung einer ähnlichen Verarbeitung zu unterwerfen (polytechn. Journal Bd. LXXXVIII S. 313). Jedenfalls ist es eine Thatsache, daß bis jetzt kein auf dieses Princip begründetes Verfahren zur fabrikmäßigen Ausführung gekommen ist.