Text-Bild-Ansicht Band 137

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dann mit einigen Tropfen oder vielmehr so viel reiner Salzsäure, daß man sicher ist, alles überschüssig zugesetzte unterschwefligsaure Natron damit zerstören zu können, was namentlich in der erwärmten Flüssigkeit sogleich unter Bildung von schwefliger Säure und Schwefel geschieht. Durch etwa zwei Minuten langes Kochen im geneigten Kölbchen entweicht alle schweflige Säure, und der Schwefel scheidet sich dabei in Tropfen ganz ähnlich ab, wie es bei der Zersetzung der Schwefelmetalle durch Säuren in der Analyse geschieht, so daß bei gänzlicher Zersetzung des überschüssig zugesetzten unterschwefligsauren Salzes die anfangs gelblich-weiße, milchige Flüssigkeit fast wasserhell erscheint, und die Trennung derselben vom geschmolzenen Schwefel durch Filtration außerordentlich leicht geschieht, eben so das nachherige Auswaschen des Filters. Das Filtrat enthält dann neben dem Chlorcalcium des Chlorkalks, ferner der überschüssig zugesetzten Salzsäure und dem gebildeten Kochsalz eine dem oxydirenden Chlorgehalte genau entsprechende Menge gebildetes schwefelsaures Natron, welches man mit salzsaurem Baryt fällt.

Wenn nun 16 Schwefel 8 Sauerstoff aufnehmen, um unterschweflige Säure zu bilden, dieselben 16 Schwefel aber noch zweimal 8 Sauerstoff aufnehmen müssen, um in Schwefelsäure umgewandelt zu werden, und diese Umwandlung durch die oxydirende Wirkung des Chlors so leicht geschieht, so werden nach obigem Verfahren auf je 2 Aequivalente Chlor 1 Aequiv. Schwefelsäure resp. schwefelsaurer Baryt sich bilden, und

116,5 Gewichtstheile (= 1 Aeq.) schwefelsaurer Baryt entsprechen 71,5 Gewichtstheilen (= 2 Aeq.) Chlor.

Da das unterschwefligsaure Natron an der Luft sowohl trocken, wie in Auflösung unveränderlich ist, und durch seine vielseitige Anwendung als Antichlor, in der Daguerreotypie u.s.w. man sich solches leicht jederzeit durch den Handel vollkommen rein verschaffen kann; da ferner die Umwandlung desselben in schwefelsaures Salz durch Chlor so leicht geschieht, und bei der Zersetzung durch Salzsäure auch nur schweflige Säure und Schwefel ohne Spur von Schwefelsäure gebildet werden, und zuletzt der gebildete schwefelsaure Baryt eine so genau gekannte unlösliche Verbindung ist, welche, nachdem sie durch Decantation und nachher auf dem Filter ausgewaschen, mit dem noch feuchten Filter im Platintiegel getrocknet und ohne Veränderung dann geglüht werden kann: so möchte ich dieser Methode vor allen den Vorzug geben, da sie bei einiger Uebung eben so schnell wie die Titrirmethode zum Ziele führt und dabei eine Sicherheit gewährt, wie sie bei den genauesten Analysen nur verlangt wird.