Text-Bild-Ansicht Band 136

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sich der Wahrheit mehr nähern, indem man die in der Mitte verengerte Röhre nach beiden Seiten hin aus unendlich vielen Cylindern zusammengesetzt sich denkt, deren Querschnitte nach einer geometrischen Progression zunehmen, deren Höhen in demselben Verhältniß abnehmen, von denen also der nächste immer das gleiche Volum des vorhergehenden besitzt. Je kleiner der Name der Progression ist, um so mehr wird sich die Röhrenform von der Form einer Tuba entfernen und wird in den Cylinder übergehen, wenn der Name gleich 1 ist, denn beim Cylinder verhalten sich die Höhen, so wie die Querschnitte der Stücke von gleichem Volum, wie 1 zu 1. Wir haben nach dieser Betrachtungsweise nur nöthig, an einigen Theilen einer Röhre das Verhältniß zwischen Höhe und Volum zu ermitteln, und können dann in äußerst einfacher Weise die Calibrirung der zwischenliegenden Röhrentheile durch Berechnung oder Construction interpoliren.

Auswahl der Glasröhren.

Die Graduirung wird um so wahrheitsgetreuer seyn, je mehr sich die Röhre dem Cylinder nähert; darum habe man bei Auswahl der Glasröhren darauf besonders Acht, daß man sich eine möglichst cylindrische Röhre verschaffe; die Röhre darf im Durchmesser der verschiedenen Theile nur geringe Abweichungen zeigen und auch diese nur in dem obenbemerkten Sinne. Der Querschnitt muß außerdem möglichst kreisrund seyn, muß wenigstens der etwa vorkommenden elliptischen oder ovalen Form überall treu bleiben. Für ein gutes und haltbares Instrument ist ferner zu berücksichtigen, daß die Röhre rein im Glase sey und weder Knoten noch offene Blasen habe, durch welche sowohl die Gleichmäßigkeit des Raumes gestört als die Dauerhaftigkeit beeinträchtigt wird. Auch die Farblosigkeit des Glases möge man nicht vernachlässigen, weil diese nicht nur einen angenehmen Eindruck macht, sondern auch die Reinheit des Reagens leichter beurtheilen läßt.

Die Dimensionen hängen zwar hauptsächlich von der Bestimmung der Büretten ab, doch könnten auch dafür einige Andeutungen am Orte seyn. Es ist im Allgemeinen rathsam, den Durchmesser nicht unter 5 Millimeter und nicht über 15 Millimeter zu wählen, indem bei engeren Röhren das Verhältniß der Wandfläche zum Inhalt ein zu ungünstiges, bei weiteren aber ein genaues Ablesen kleiner Kubikcentimetertheile unmöglich wird. Die Länge hat man nach der Weite zu bemessen; 200 bis 300 Millimeter scheinen mir die passendsten Gränzen, indem die kürzeren ein öfteres Auffüllen erfordern, die längeren aber lästig im Gebrauche sind,