Text-Bild-Ansicht Band 136

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Nachdem dieß geschehen, sind wir in den Stand gesetzt zu entscheiden, ob die betreffende Glasröhre ein Cylinder ist oder nicht. Bei einer cylindrischen Röhre müssen die Quotienten der gemessenen Flüssigkeitssäulenhöhen in den zugehörigen Gewichtsmengen gleich seyn; nehmen die Quotienten nach einer Seite hin ab, so haben wir eine Röhre vor uns, deren Querschnitt nach einer Seite hin sich verkleinert, eine Röhre, auf welche die oben berührte Betrachtungsweise anzuwenden ist. Das wie? besprechen wir am besten, indem wir uns auf einen concreten Fall beziehen.

Eintheilung der Röhre.

Es betrug bei einer anzufertigenden Mohr'schen Bürette die Entfernung der zweiten Marke von der obersten 21,6 Millimeter, das ausgewogene Wasserquantum aber 3,924 Gramme; die Entfernung der zweiten und dritten Marke 139,2 Millim., das zugehörige Wasserquantum 23,842 Grm., und endlich die Entfernung der dritten und vierten Marke 25,6 Millimet. mit 4,280 Grm. Wasser. Daraus folgte für 1 Kubikcentimeter13) im obersten Röhrenstück die Höhe durchschnittlich zu 21,6/3,924 = 5,5 Mm.; im darunterliegenden zu 139,2/23,842 = 5,8 Millimeter und im tiefsten zu 25,6/4,280 = 6,0 Mm. Die Zunahme der Quotienten zeigt an, daß man eine nach unten sich verjüngende Röhre vor sich hat, doch ist der Unterschied nicht so bedeutend, daß diese Röhre nicht noch als Bürette benutzt werden könnte. Ich ziehe mir nun auf glattem festem Papier eine etwa 200 Millimeter lange gerade Linie und trage auf ihr eine entsprechende Größe, etwa 5 Millimeter, von einer Seite her so oft auf, als die ausgewogene Röhre Gramme oder Kubikcentimeter Wasser faßte, in vorliegendem Beispiel 32, errichte im zweiten Theilpunkt ein Perpendikel von 22,0 Millimeter Höhe (d. i. die Höhe von 4 Kubikcentimetern Wasser im obersten Röhrentheil), deßgleichen im drittletzten Theilpunkt ein Perpendikel

13)

Wie es bei der Gewichtsanalyse, weil man es nur mit Verhältnißzahlen zu thun hat, gleichgültig ist, ob die benutzten Grammengewichte genau mit dem Pariser Normalgewicht übereinstimmen, wenn sie nur mit ihren Unterabtheilungen harmoniren, so ist man auch bei Eintheilung der Büretten nicht gehalten als Volumeinheit genau den Pariser Normal-Kubikcentimeter anzunehmen. Es scheint mir im Gegentheil angemessener und bei weitem bequemer, daß man für volumetrische Zwecke als Volumeneinheit den Raum annimmt, den 1 Gramm reinsten Wassers von 17,5° C. nach dem Gewichtsatz des analysirenden Chemikers gewogen, ausfüllt, und ich halte es für unbedenklich diesem Raum den Namen Kubikcentimeter zu belassen.