Text-Bild-Ansicht Band 223

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Studien die Ansicht ausgesprochen, daß Anilinfarben an und für sich nicht giftig sind, daß sie nur schädlich wirken, wenn sie mit gewissen Salzen oder mit Anilinöl verunreinigt sind, oder wenn sie eine gefährliche Säure enthalten. Sonnenkalb hat sogar Anilinfarbstoffe mit 1 Proc. Arsengehalt, in Anbetracht ihrer ungemeinen Ausgiebigkeit, zum Färben von Zuckerwaaren u. dgl. für zulässig erklärt.

Prof. G. Bergeron und Prof. J. Cloüet haben für die Lösung dieser Frage weiteres (im Bulletin de Rouen, 1876 S. 138 veröffentlichtes) Material gesammelt, indem sie directe Versuche anstellten, wie der am häufigsten in Conditorwaaren und Getränken vorkommende Anilinfarbstoff, das Fuchsin, innerlich eingegeben auf den Organismus von Menschen und Thieren wirkt, nachdem schon Charvet nachgewiesen hatte, daß subcutane Fuchsin-Injectionen in der Stärke von 2g (aufgelöst in 20g Weingeist und 120g Wasser) keinerlei Vergiftungserscheinungen hervorzurufen im Stande sind. Es zeigte sich wiederholt, daß ein Mensch innerhalb 8 Tagen ohne alle Gefahr allmälig 3g,2 Fuchsin einnehmen kann; nur in den letzten beiden Versuchstagen, an welchen die Dosis jedes Mal bis zu 1g gesteigert wurde, trat ein leichtes, jedoch vorübergehendes allgemeines Uebelbefinden ein. Selbstverständlich war das verwendete Fuchsin zuvor genau untersucht und als arsenfrei, überhaupt frei von metallischen Beimengungen gefunden worden. Nimmt man nun 1l einer Caramellösung, welche 1g,5 Fuchsin enthält, so kann man damit 224l Wein färben, so daß 1l Wem nur 0g,006 Fuchsin enthält, eine Quantität, welche somit nach den angestellten Versuchen auch bei stärkerer Consumtion eines Trinkers keine schädliche Wirkung ausüben kann. Bei Hunden wurde die Dosis je nach der Größe derselben von 5g bis zu 20g, die auf einmal eingegeben wurden, gesteigert. Es trat zwar Erbrechen, Zittern, Abnahme des Herzschlages und der Respiration ein, aber immer den darauffolgenden Tag waren alle Krankheitssymptome verschwunden. Macht man hievon wieder die Nutzanwendung auf den Menschen, so würden diese 20g Fuchsin genügen, um 2987l Wein roth zu färben, und es läßt sich auch nach diesen Versuchen an Thieren kaum annehmen, daß 1l so gefärbten Weines auf den menschlichen Organismus eine schädliche Wirkung ausüben könnte, vorausgesetzt immer, daß das angewendete Fuchsin selbst frei von Arsenik und sonstigen Verunreinigungen ist, eine Bedingung, deren Erfüllung jedenfalls durch das Gesetz gesichert sein sollte.

Eine merkwürdige Beobachtung wurde bei einem Menschen gemacht, dessen Urin seit längerer Zeit einen reichlichen Albumingehalt zeigte. Sogleich nach dem Einnehmen der ersten 0g,05 Fuchsin verschwand der