Text-Bild-Ansicht Band 226

Bild:
<< vorherige Seite

ein besonderes Interesse, sofern sie die Resultate von Bergeron und Clouet vollkommen bestätigen. Seidler hat, wie er im Correspondenzblatt des Naturforschervereines zu Riga mittheilt, 5 Wochen lang jeden Morgen 0g,05 Rubin (Anilinroth), welches nach dem Nitrobenzolverfahren hergestellt und als frei von irgendwelchen metallischen Verbindungen gefunden worden war, zu sich genommen, ohne die geringsten nachtheiligen Wirkungen, sogar wenn er die Dosis bis auf 0g,1 steigerte, zu verspüren. Mit gleichem Erfolge wurden dieselben Versuche an zwei andern Personen ausgeführt. Das Rubin passirt als indifferenter Stoff den thierischen Organismus, um aus diesem nach kurzer Zeit (2 bis 3 Tagen) mit den Auswurfstoffen unzersetzt entfernt zu werden.

Um 100l Limonade, gleich 135 Flaschen Limonade, roth zu färben, gebraucht man beispielsweise 0g,13 Anilinroth; es enthält also eine Flasche noch nicht ganz 1mg Farbstoff. Ein Mensch müßte also 100 Flaschen Limonade zu sich nehmen, um, wie Seidler, 0g,1 Anilinroth auf einmal in seinen Körper einzuführen. Benutzt ferner ein Fabrikant zum Färben seiner Spirituosen 2mg Fuchsin auf 1l, so wird der Consument beim Genuß eines größeren Glases von etwa 40cc Inhalt nur 0mg,08 des genannten Farbstoffes in sich aufnehmen. Setzt man weiter den Arsengehalt einer Sorte Anilinroth zu 1 Proc., was schon hoch gegriffen ist, so kommt auf eine Flasche Limonade 0mg,01 Arsen – eine Menge, die sicher keine schädlichen Einwirkungen auf den menschlichen Organismus auszuüben vermag. Oder endlich den Fall gesetzt, welcher aber nie vorkommen wird, daß ein Fabrikant zum Färben seiner Spirituosen ein Fuchsin mit 10 Proc. Arsengehalt verwende, so enthalten die 2mg des auf 1l benöthigten Farbstoffes 0mg,2 Arsen. Spirituosen werden niemals literweise getrunken; genießt man davon täglich 100cc, d.h. den Inhalt von 3 großen Schnapsgläsern, so gehen damit täglich 0mg,02 Arsen in den Körper über – eine Menge, die wiederum als unschädlich bezeichnet werden kann. Immerhin aber empfiehlt es sich, für derartige Verwendungen entweder möglichst arsenfreies Fuchsin, wie solches ganz gereinigt mit nur 0,00125 Proc. erhältlich ist, oder noch besser statt dessen ein nach dem Coupier'schen Verfahren hergestelltes, vollkommen arsenfreies Rubin zu benutzen.

Kl.

Thoré's neues Saccharimeter.

Der Haupttheil desselben ist eine sehr dünne, planparallele Gypsplatte, die aus einem Zwillingskrystalle geschnitten ist. Sie wird zwischen zwei parallele Glasplatten mit Canadabalsam eingeschlossen und so auf ein rundes Diaphragma befestigt, daß dasselbe von der Zwillingsebene halbirt wird. Das polarisirende Nicol wird so gestellt, daß sein Hauptschnitt einen Winkel von 45° mit der betreffenden Ebene bildet. Stellt man dann das analysirende Nicol senkrecht zu ersterem, so erscheinen beide Hälften des Gesichtsfeldes gleich gefärbt, es ist dies die Nulllage. Eine kleine, kaum 20 Minuten betragende Drehung dieses Nicols genügt, um die Gleichheit verschwinden zu lassen. Hat man die Nulllage bestimmt und schaltet dann zwischen die betreffende Glasplatte und das analysirende Nicol die drehende Substanz ein, so muß man das letztere um eine bestimmte Anzahl Grade, die gleich der zu bestimmenden Drehung der Polarisationsebene sind, drehen, damit wieder beide Hälften gleich gefärbt erscheinen. (Nach Les Mondes, 1877 t. 42 p. 587, durch Beiblätter zu Poggendorff's Annalen, 1877 S. 471.)

Wassergehalt der Gespinnstfasern.

Nach den Versuchen von Benard (Chemisches Centralblatt, 1877 S. 426) enthält lufttrockne Wolle 14,53, Seide 9,91, Baumwolle 7,24, feiner Flachs 10,45, Flachs mit Werg gemischt 10,97, Jute 12,29 und Hanf 11,93 Proc. Wasser.