Text-Bild-Ansicht Band 226

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verschieden zusammengesetzter Eisensorten unter bedeutender, beispielsweise 100facher Vergrößerung, so findet man, daß der chemisch gebundene Kohlenstoff auf den Zusammenhang den größten Einfluß ausübt. Die beiden äußersten Grenzen, mit Rücksicht auf den Gehalt an chemisch gebundenem Kohlenstoff, bilden einerseits das weiche, sehnige Schmiedeisen als chemisch reinstes Handelseisen, und anderseits das spröde, großflächige Spiegeleisen. Zwischen beiden liegen das Feinkorneisen, der Stahl und die übrigen Roheisensorten. Was uns bei dem Schmiedeisen, mit blosem Auge betrachtet, als Sehne erscheint, löst sich unter dem Mikroskop in langgestreckte, nicht parallel laufende Bündel kleiner dreieckiger Blättchen auf, welche mit den Kanten zusammenhängen. Zwischen den Bündeln befinden sich mehr oder weniger große, hohle, theilweise mit Schlacke ausgefüllte Räume. In der Luppe dagegen, aus welcher das Schmiedeisen hergestellt wird, zeigen sich nach dem Zängen unregelmäßig durch die ganze Masse vertheilte Krystallformen, besonders Hexaëder und Oktaëder, welche theilweise unter einander verwachsen sind. Die Füllung der dazwischen liegenden Räume besteht aus Schlacke. Kein Zweifel also, daß die ersterwähnten dreieckigen Blättchen Bruchstücke der durch den Druck der Walzen gespaltenen und aufgeblätterten Krystalle sind. Die Verschiebung der Blättchen findet vertical auf die Druckvorrichtung statt und durch die Cohäsion bleiben sie mit den Kanten an einander haften. Eine große Anzahl von chemischen Analysen, verbunden mit mikroskopischen Untersuchungen und Festigkeitsproben, hat nun ergeben, daß mit abnehmendem Kohlenstoffgehalt der Grad der Aufblätterung der Krystalle und mit ihm die Dehnbarkeit und Biegsamkeit des Eisens zunimmt, während gleichzeitig die Dicke der entstehenden Blättchen und die Tragfähigkeit des Eisens abnehmen.

Bei unverändertem Kohlenstoffgehalt nimmt die Festigkeit des Eisens dadurch zu, daß in Folge wiederholten Erhitzens und Ausschmiedens die Hohlräume möglichst von Schlacke befreit und auf das geringste Volum gebracht werden, während die einzelnen Blättchen durch engeres Aneinanderlagern an Cohäsionskraft gewinnen. Ist der Kohlenstoffgehalt des Eisens so groß, daß die Bruchflächen körnig erscheinen, so belehrt uns das Mikroskop, daß die in der gezängten Luppe vorwiegend als Oktaëder vorhandenen Krystalle beim Auswalzen nicht mehr in Blättchen zerfallen, sondern in kleine vieleckige, zackige Bruchstücke zerdrückt werden. Die Theilung der Krystalle findet noch vertical auf die Druckrichtung statt; allein die entstehenden Splitter schieben sich mit ihren Spitzen und Zacken gegenseitig so eng in einander, daß der Zusammenhang der Masse wesentlich erhöht wird. Auch hier wächst natürlich