Text-Bild-Ansicht Band 226

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die Festigkeit in dem Maße, wie die Schlacke ausgetrieben und die Größe der Hohlräume vermindert wird. Es liegt in der Natur der entstandenen Krystallbruchstücke, daß beim körnigen Eisen die Hohlräume unbedeutender sind als beim sehnigen Eisen, woraus denn auch direct hervorgeht, daß bei ersterem die Elasticität, bei letzterem die Biegsamkeit und Dehnbarkeit größer ist. Uebersteigt der Kohlenstoffgehalt des Eisens 1 Proc., so werden die einzelnen Krystalle so schwer theilbar, und die entstehenden Bruchstücke sind so grob und hart, daß eine Verarbeitung im Feuer in den meisten Fällen nicht mehr möglich ist. Die große Härte, verbunden mit dem hohen Grade von Zusammenhang, machen das Eisen alsdann spröde und das Spiegeleisen, als höchst gekohltes Eisen, nimmt in dieser Hinsicht die erste Stelle ein.

Mangan, Wolfram und Chrom wirken ähnlich wie der Kohlenstoff fördernd auf die Dichtigkeit, Festigkeit und Härte des Eisens. Phosphor erhöht ebenfalls seinen Zusammenhang und zwar in solchem Grade, daß schon bei der Anwesenheit verhältnißmäßig kleinerer Mengen dieser Substanz grobstückige Spaltung und Sprödigkeit eintritt. Dies geschieht um so eher, je höher gleichzeitig der Kohlenstoffgehalt ist.

Schwefel, Kupfer und Silicium beschränken in gewissem Grade die Aufblätterung und verhindern namentlich bei Rothglühhitze die leichte Verschiebbarkeit der Krystallbruchstücke unter sich. Wird nun der Widerstand, welchen die genannten Stoffe der Verschiebbarkeit entgegensetzen, durch Druck oder Stoß überwunden, so entstehen Risse und Brüche; man nennt dies Rothbruch. Da dieser Zustand nur bei bestimmten Temperaturgraden eintritt, so kommt es häufig vor, daß Eisenstäbe nur an der Oberfläche rissig und brüchig werden, während sie innerlich, wo während der Bearbeitung eine höhere Temperatur herrschte, ihren Zusammenhang bewahren; die größten Feinde des letztern sind die nur mechanisch in die Hohlräume eingeschobenen Stoffe, weil sie sich trennend zwischen die einzelnen Eisentheilchen legen und deshalb der Cohäsion hinderlich sind. Hierher gehören Schlacke und der nicht chemisch gebundene Kohlenstoff (Graphit).

Unter Berücksichtigung dieser Umstände lassen sich die verschiedenartigen physikalischen Erscheinungen, welche bei Bearbeitung des Eisens in Bezug auf Festigkeit auftreten, leicht erklären. So entsteht durch Erhitzen des Eisens, selbst bis zu Weißglut, nicht etwa eine innigere Verbindung, sondern lediglich eine Auflockerung der krystallinischen Blättchen, und überläßt man danach das Eisen sich selbst, so saugen die entstandenen Zwischenräume Luft und sonstige sich bildende Gase auf, wodurch die Festigkeit bedeutend abnimmt. Solches Eisen hat