Text-Bild-Ansicht Band 226

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daß noch keine Salzsäure im Ueberschuß vorhanden ist und die saure Reaction nur durch schweflige Säure erzeugt wird. Die Kufe füllt sich, und da sie 30cm unter ihrem obern Rand einen Ausfluß hat, so fließt die Chlorcalciumlösung mit niedergeschlagenem Schwefel gemengt aus, während unten fortwährend Lauge und Salzsäure eintreten. Auf diese Weise bleibt die Kufe stets gefüllt, was die Hauptsache ist; denn dadurch wird dem sich am Boden entwickelnden Schwefelwasserstoff und der schwefligen Säure Gelegenheit gegeben, sich gegenseitig zu zersetzen, bevor sie an die Oberfläche kommen. Ist die Kufe einmal gefüllt, so wird sie nicht wieder geleert. Man stellt Abends einfach ab und fängt andern Tages mit der vollen Kufe wieder an. Ich wiederhole, daß dieses Verfahren in Thann seit mehreren Jahren zu großer Zufriedenheit angewendet wird und dabei niemals Entwicklung von Schwefelwasserstoff wahrgenommen wurde.

Wie wir gesehen haben, setzen sich die Sodarückstände im Innern des Haufens zum großen Theil in CaS, HS und CaO um. Viel rascher und vollständiger bewirkt man diese Reaction, indem man die Rückstände mit etwas Wasser versetzt und der Einwirkung des Dampfes von 5at Druck aussetzt. Zweckmäßig geschieht dies in einem Cylinder von Eisenblech, welcher mit einem Rührwerk versehen ist. Es genügt, so viel Wasser zuzufügen, daß die Masse durch das Rührwerk leicht bewegt wird. Man kann auf diese Weise Lösungen bekommen, welche bis 10° B. stark sind und 8 Proc. CaS, HS enthalten mit nur Spuren von unterschwefligsaurem Kalk, und es ist möglich 90 Proc. des in den Sodarückständen enthaltenen Schwefels in Lösung zu bringen.

Der Gedanke liegt nahe, diese Reaction zur Wiedergewinnung des Schwefels zu benutzen, und zwar könnte man hierzu zwei Wege einschlagen. Entweder müßte man das CaS, HS zum Theil oxydiren, um die nöthige Menge unterschweflige Säure zu bekommen, oder die SO₂ müßte der Lauge auf irgend eine andere Weise zugeführt werden.

Es ist mir noch nicht gelungen, letzteres praktisch auszuführen, und, was die Oxydation des CaS, HS anbelangt, so ist zu bemerken, daß dieselbe sich wohl z.B. durch Einblasen von Luft in die Lösung bewirken läßt; es bildet sich auch hierbei CaS₂ und CaO, SO₂ aber die Oxydation geht in diesem Falle nur sehr langsam vor sich. Praktischer wäre es, das folgende Verfahren einzuschlagen.

Die mit Dampf von 5at behandelten und dann filtrirten Sodarückstände sind von schleimiger Beschaffenheit. Breitet man sie aus, so trocknen sie rasch und bedecken sich an der Oberfläche augenblicklich mit der charakteristischen grüngelben Färbung, welche man an oxydirten