Text-Bild-Ansicht Band 226

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Rückständen beobachtet. Nach 24 Stunden sind sie so weit getrocknet, daß man sie mit der Schaufel in kleinere Stücke zerschlagen kann. Bei dem hierdurch erleichterten Luftzutritt verhält sich die Masse vermöge ihres Gehaltes an CaS, HS genau als wie die Sodarückstände, welche von einem einige Monate alten Haufen abgeschlagen werden, d.h. sie erwärmen sich augenblicklich und das CaS, HS geht in CaS₂ und in CaO, SO₂ über. Ich habe durch zahlreiche Versuche den Gang dieser Oxydation verfolgt und gefunden, daß er ganz ähnlich demjenigen ist, welchen wir durch die oben mitgetheilten 4 Versuche gefunden haben, was ja auch vorauszusehen war, da beide auf der Umwandlung des in reichlichen Mengen vorhandenen Schwefelwasserstoff-Schwefelcalciums beruhen.

Es wäre mithin nicht unmöglich, die jetzige Methode der Wiedergewinnung des Schwefels dahin abzuändern, daß man die Sodarückstände, anstatt sie auf Haufen zu stürzen, der Einwirkung des Dampfes von 5at Druck aussetzte, dann filtrirte, den Rückstand an der Luft ausbreitete und andern Tages in kleinere Stücke zerschlüge. Diese würden sich rasch oxydiren und kämen dann zum Auslaugen, und zwar mühte die Oxydation so geleitet werden, daß die erhaltenen, unterschwefligsäurereichen Laugen, mit der vorher durch Filtration erhaltenen Lösung von CaS, HS vereinigt, die drei Schwefelverbindungen im richtigen Verhältniß enthielten, um durch Salzsäure niedergeschlagen zu werden. Bei diesem Verfahren würden die Kosten für den Dampfverbrauch reichlich durch die Ersparniß an Arbeitslohn gegenüber dem jetzigen Verfahren aufgewogen. Der Hauptvortheil würde in der vergrößerten Ausbeute bestehen, indem die Ueberführung des Schwefelcalciums in CaS, HS durch den Dampf viel vollständiger bewirkt wird, als wie durch das jetzt gebräuchliche Aufstürzen auf Haufen, bei welchem nur ein geringer Theil des vorhandenen Schwefels nutzbar gemacht werden kann.

Zum Schluß möchte ich noch einer andern Verwendung des Schwefelwasserstoff-Schwefelcalciums kurz Erwähnung thun, nämlich zum Enthaaren der Felle in der Gerberei. Schon öfters ist dieser Vorschlag gemacht worden (vgl. 1875 218 355), allein es fehlte an einer billigen Darstellungsweise des Schwefelwasserstoff-Schwefelcalciums. Dieser Uebelstand fällt fort, wenn man dasselbe aus den Sodarückständen mit Hilfe von Wasserdampf von 5at darstellt; es wäre zu wünschen, daß dieser Proceß Eingang in der Gerberei fände.

Das Enthaaren der Felle geschieht augenblicklich nach zwei Methoden, entweder mittels verdünnter Kalkmilch, oder indem man die